Ein wilder Ritt: Neun Jahre mit Guruji Saint Grace Love Maharaj und dem Ashram of Enlightenment | Index

Geschrieben zwischen Sommer 2015 und Juni 2016




1. Vorwort

Für die uralten Gefährten, welche diesen Weg mit mir teilen: Die Energie, welche Erfahrungen des Höchsten bringt, erleuchtet und heilt, ist das das eine. Sie erscheint - scheinbar - durch Lehrer, Gemeinschaften, Kunst, Natur, Praxis, Absicht und Hingabe. Das andere sind die psychologische Dynamik und der konzeptuelle Rahmen oder sogar Indoktrination und Ideologien, welche darum erschaffen werden. Diese muss nicht einfach hingenommen werden.

An einem gewissen Punkt fasste mein Herz Mut und Vertrauen und riskierte alles, was mir lieb und nah war, um die grosse wahrgenommen Diskrepanz zwischen beiden anzusprechen und aus der Welt zu schaffen. Nun bin ich auf meinem eigenen Weg. Konsistent, glücklich und geehrt. Nichts in diesem Bericht ist erfunden oder übertrieben. Ich hoffe ihn auch nicht-beschuldigend und einfach beschreibend verfasst zu haben.

Man kann auch nur einzelne Kapitel lesen. Wer Guruji Saint Grace Love Maharajs eigenes Universum bereits kennt, dem dient vielleicht das Kapitel 6. Wer verstehen möchte, was im Ashram of Enlightenment gelehrt und gemacht wird, Kapitel 4. Wer bestimmen möchte, ob der Ashram of Enlightenment eine Sekte oder ein Kult ist, kann die Beschreibungen in Kapitel 4 und 5 mit dem äusserst hilfreichen Kriterienblatt von relinfo.ch abgleichen oder hier weitere Beschreibungen von typischen Guru-Dynamiken finden: 5 signs. Für wen es kaum zu fassen ist, wie so etwas überhaupt möglich ist, empfehle ich das Kapitel 6.8. als Grundlage.

2. Motivation dieses Berichts

Meine Motivationen diesen Bericht zu schreiben sind folgende:

Ich sehe, was mir geschehen ist, als Bedingungen und Muster an, die zueinander gefunden haben und sich ausgespielt haben. Aus meiner Sicht, habe ich alles durch mein Interesse an Erleuchtung, meine Offenheit, einen Schuss Narzissmus, Co-Abhängigkeit und einer Suche nach Erlösung und Nähe heraus zugelassen.

Alle Schüler sind intelligente, offene und mitfühlende Leute. Gute und hingebungsvolle spirituelle Studenten, manche mit unüblichen inneren Grössen. Trotzdem sind sie meiner Meinung nach in einem co-abhängigen Gefüge drin und dieser Bericht soll Ihnen helfen, wenn die Zeit dann gekommen ist (siehe dazu vor allem das Kapitel Sichtweise auf Guruji Saint Grace Love Maharaj und die Dynamik im Ashram of Enlightenment zur Integrationshilfe“)

3. Geschichte

3.1. Zum Namen "Guruji Saint Grace Love Maharaj"


Guruji: Koseform von Guru, was Lichtbringer heisst, im indischen als „Lehrer“ verwendet wird
Saint: hat sie 2009 nur für europäische Schüler eingeführt, um ihre Heiligkeit zu unterstreichen. Als Guru sieht sie sich höher entwickelt als Heilige.
Grace: Sie wurde von anderen als Bodhisattva der Gnade bezeichnet (nun ihr legaler Vorname)
Love: quasi der Familienname (nun ihr legaler Nachname)
Maharaj: bedeutet König und den Zusatz nahm sie nach einer Erfahrung 2013 in der Schweiz an

In Indien haben Gurus in der Tat manchmal solche mehrteiligen Namen; könnte man somit als Adaption der Tradition ins Westliche betrachten.

3.2. Verkürzt: das Leben von Guruji Saint Grace Love Maharaj

Fast alles, was ich über Sie weiss, habe ich von ihr oder aus ihren Büchern vernommen und ist dementsprechend unscharf und unzuverlässig: Guruji Saint Grace Love Maharaj ist ca. 1950 (Ihr Geburtsname ist mir nicht bekannt, nur ihr Vorname Elisabeth) in Kanada geboren. Ihr Vater verstarb früh, ihre Mutter war eine Krankenschwester mit Alkoholproblemen. Sie hat ursprünglich eine Ausbildung als Bibliothekarin gemacht und viel später dann ein Phd in Hypnotherapie (was aber wahrscheinlich kein Doktor-Abschluss (Master) in europäischen Sinne ist).

Nach einer Hippy- und Selbstversorger-Zeit ist sie dabei gesundheitsbedingt zu Yoga gekommen. Sie hat dabei Meditation entdeckt und während weniger Jahren dann bei Charles Berner (Yogeshwar Muni) und seinem Staff in Enlightenment Intensives gedient. Während dieser Zeit ungefähr sei sie mit einem äusserst intelligenten Mann verheiratet gewesen, der sich dann später aber als Drogendealer herausstellte und stark marihuanasüchtig war. Einer anderen Ex-Schülerin hat sie mal erzählt, dass ihr Ex-Mann sie umbringen wollte.

Eines Tage zog sie nach Indien aus, um einen Guru und Erleuchtung zu finden, da sie wahrnahm, dass Charles Berners Erfahrungen bezüglich Erleuchtung begrenzt waren. Sie kam zum indischen Guru Asaram Bapu, anscheinend ein ehemaliger Teeverkäufer und Schmuggler und meditierte und studierte bei ihm unter dem Namen Sharadevi einige Jahre Vedanta Monismus. Heute ist Asaram Bapu wegen mehrfacher Vergewaltigung und Diebstahl im Gefängnis, Link. Ihre Zeit bei Bapu beschreibt Guruji Saint Grace Love Maharaj im Buch „Bapu’s Blessings“. Nachdem 2009 bekannt wurde, dass Bapu sich strafbar gemacht hat, zerstörte sie sofort alle Bilder und Bücher von und über ihn, auch ihre eigenen und verschweigt oder umschreibt, dass Sie Schülerin bei ihm war.

Da ihr die Hitze in Indien nicht bekam, sei Sie nach einigen Jahren zurück in die USA gezogen, wo sie versuchte, eine Tournee für Asaram Bapu vorzubereiten. In dieser Zeit lernte sie den amerikanischen Vedanta-Guru „Master Ram“ kennen, ein Vietnam-Veteran und jünger als sie und wurde dessen Schülerin. Nach einigen wenigen Jahren im seinem Ashram schickte dieser sie zurück zu ihrer Mutter, (sie erzählt gerne wie sie ausserhalb des Ashrams gearbeitet hatte und gierig Fleisch gegessen habe und irgendwie so sich von der Ausrichtung her entfernt hatte), obwohl sie gerne im Ashram geblieben wäre. Sie liess sich auf seine Instruktion wieder ihre Haare lange wachsen, begann Menschen zu coachen (mit Spezialität von todgeweihten Krebsfällen) und blieb in der Nähe ihrer Mutter wohnen. Während eines Telefons mit einem anderen Berater, welcher ihr eine energetische Umarmung via Telefon demonstrierte, erfuhr sie Erleuchtung, die zu einem transformierenden Erlebnis während vieler Monate führte (Samadhi und starke Transmissionen). Sie empfing in einer Halle Schüler und verströmte erleuchtende Energie, so dass immer mehr Menschen kamen und bei ihr meditieren und Satsangs besuchen wollten. Dabei entstand ihr erster Ashram.

Während dieser Zeit heiratete sie ein zweites Mal, den Berater, der dann auch Mönch wurde, was sie dann nach kurzer Zeit auch wieder beendete. Sie verpflichtete sich Gott gegenüber ihm und seinen Kindern als Guru zu dienen. Ihre Ashrams waren über die Jahre in mehreren Staaten, in New York und Kenntucky, schlussendlich richtetet sie sich um das Jahr 2000 herum in Arizona nahe bei Phoenix ein. Den Grund der Umzüge nannte sie nie. Und noch später entstand ein Ashram in der Schweiz.

Die Details ihres Lebens (jedoch nur die eher positiven Aspekte) sind ihrer Autobiografie beschrieben, zudem benutzt sie ihre Lebenserfahrungen, um spirituelle Dinge zu verdeutliche und so hört man als Schüler ihre Lebenserfahrungen viele, viele Male. Wenn man länger dabei ist, viele viele viele Male und eben zwischendurch auch die Dinge, die nicht so gut liefen.

3.3. Wie ich auf Guruji Saint Grace Love Maharaj traf

2006 traf ich Guruji Grace Love (sie nannte sich damals noch simpler) in Baden-Baden, Deutschland. An einer Esoterik-Messe bot sie Satsangs und einen Enlightenment-Intensive an (Das ist ein von Charles Berner entwickeltes Workshop-Format). Ein Freund, der selbst bei Charles Berner die Enlightenment Intensive Trainer Ausbildung gemacht hatte, hörte über deren Netzwerk von ihrem Besuch und empfahl mir, sie zu besuchen, da er seine erste grosse Erleuchtungserfahrung in einem Enlightenment Intensive hatte.

Erst fuhr meine damalige Freundin nach Baden-Baden und es stellte sich heraus, dass Maharaj, ihre langjährige Schülerin und Assistentin J.S. und zwei damalige Swamis, keine genug warme Kleidung mitgebracht hatten. Also organisierte meine damalige Freundin Pullover und anderes und machte die Live-Übersetzung ihres Satsangs. Ein paar Tage später kam ich in Baden-Baden dazu. Ich stellte ihr übermütig zwei Testfragen, um zu erfahren, ob sie voll erleuchtet ist, nämlich ob sie im Tiefschlaf gewahr ist und keinen körperlichen Schmerz mehr verspürt (Zwei Kriterien im tibetischen Buddhismus), welche sie beide ausweichend mit eher nein beantwortete. Trotzdem gefielen mir ihre Bücher und die Idee, dass Vedanta Monismus alles studiert, was nachweislich zu Erleuchtung geführt hat, also Lehren aus Buddhismus, Hinduismus, Sufismus und neuen Dinge sehr. Auch fand ich spannend, wie sie Alternativmedizin, Diät und vieles anderes in Bezug zu Integration von Erleuchtung brachte. Dies entsprach meinem Forschergemüt.

Ihre damaligen Swamis schienen mir seltsam: der eine schaute konstant auf seine Aktienkurse, die andere machte die ganze Zeit mediale Vorhersagen und versuchte mir später ein Multilevel-Marketing-Produkt anzudrehen. J.S., wie sie halt so ist, war zwar nett und auch recht steif und tanzte ab und zu in aller Öffentlichkeit. Alle waren im hinduistischen, orangen Swami-Gewand gekleidet, zwei mit geschorenem Kopf. Naja, ich habe mich damals nicht mit den orangen Swamis verbunden und versuchte die bizarren Auftritte zu ignorieren, sonder einfach diesem interessanten "Shaktipat-Guru" zugehört. Sehr schnell hatte ich innere Erfahrungen. Bei ihrem Enlightenment Intensive erzählte sie von ihrem Leben und las ihre Gedichte vor. Kurz haben wir dann noch 30 Minuten Dyaden gemacht (Übungen zu zweit; bei Charles Berner werden diese sehr viel länger, über Tage und viel intensiver und strikter gemacht; ihre Enlightenment Intensives sind eher sehr sehr lange Satsangs und haben kaum etwas mit dem ursprünglichen Format zu tun).

Zwei Wochen später kam sie in die Schweiz, wohnte mit den drei Swamis bei der sehr toleranten Familie einer ehemaligen Mitschülerin von Asaram Bapu in Winterthur und traf Menschen in der Wohnung, unter anderem mich, meine damalige Freundin und meine Schwester. Ich fand alles sehr interessant, spürte die starke Samadhi-Energie. Und ich bekam die allererste Meditations-CD, die mir sehr gefiel. Meine damalige Freundin fand das alles eher traumatisch, sperrte sich in ihrem Zimmer ein, begann sich zu ritzen und mit dem Messer auf ihr Kopfkissen einzustechen und meinen Namen dabei zu sagen. Sie hatte Angst, mich zu verlieren. Mir tut es im Nachhinein sehr leid, dass kein weiserer Umgang mit ihrer Reaktion gefunden wurde und ich hoffe, sie verzeiht mir. Ich entschied mich, 6 Wochen nach Arizona auf Retreat zu gehen. Vor dieser Zeit rief mich Maharaj immer wieder an mit „I love you!“-Telefonen an und erzählte mir, dass ich schnell erleuchten werde, meine Freundin unfruchtbar sei und nie Kinder bekommen werde und mehr. Ich war gutgläubig und narzistisch, das Positive beschwingte mich natürlich enorm und ich setzte alle Hebel in Bewegung, mir diesen Retreat leisten zu können. Yeah! Ich könnte voll erleuchtet werden!

Ich war also 6 Wochen dort und unterstütze Maharaj mit diversem Computer-Support, brachte ihr bei, wie sie ihre Mail-Flut besser bewältigen konnte und ihren Computer bedienen konnte, zeigte ihr Skype, damit sie mit Studenten ausserhalb der USA in Kontakt bleiben konnte, half ihr ein Büro einzurichten, Möbel umzuplatzieren, erweitere ihre Website, arbeitete im Garten und vieles mehr. Sie fand die Zusammenarbeit begeisternd, sagte mir, dass dies die wahre Zusammenarbeit von Mann und Frau wäre und ich doch als ihr Assistent in Arizona bleiben solle und ein Filmstudium beginnen solle hier.

Mein Kollege, der mich zu ihr gebracht hatte, kam ebenfalls auf Retreat, hatte starke Erfahrungen und verliess den Ashram auch ziemlich schnell wieder. 10 Jahre später erzählte er mir, dass sie ihn zur Unterschrift eines Vertrages für einen Hauskauf in Arizona gepusht hatte und er bei einer Reise nach New York mit ihre diversen aussergewöhnlichen Verhaltensweise zu tun bekam und ihrer Nichte in New York, welche ihre mir scheinbar dominante Arte schon aus der Vergangenheit gut kannte. Er sah, dass dies kein gesundes Verhalten war und verliess sie als Schüler. Leider hat er aus Respekt mir nie davon erzählt. Aus Maharajs Sicht war er natürlich vom Weg abgekommen und sie sah bereits seine Beziehung zerbrechen und sein Leben niedergehen. Er ist heute glücklicher Vater zweier Kinder und hat eine glückliche Beziehung zu seiner Frau. Er brauchte selbst 2 Jahre um Maharajs Sätze aus seinem Kopf zu kriegen.

3.4. Meine neun Jahre mit dem Ashram of Enlightenment und Guruji Saint Grace Love Maharaj

Zurück zu meinen ersten Erfahrungen: Ich fand diese Verhalten schon etwas befremdlich (man nennt es in Fachkreisen „Love Bombing“), aber ich lernte auch sehr viel, war neugierig und hatte sogar nachts mal eine starke, plötzliche mir damals noch fremde Kundalini-Erfahrung, die ich jedoch in einem Angstreflex abwürgte, da sie mit einem fürchterlichen Alptraum über Ameisen am Körper verbunden war. Sie sagte mir, dass ich eine Erleuchtungs-Erfahrung abgewürgt habe, was mich natürlich sehr enttäuschte. Nach 6 Wochen reiste ich zurück in die Schweiz (was sie als „armselige Entscheidung“ bezeichnete), trennte mich auf Anraten von Maharaj von meiner damaligen Freundin und der gemeinsamen Wohnung, was ein für meine damalige Freundin traumatisch war und sie in eine Borderline-Erfahrung brachte. Mir war klar, dass die Beziehung sowieso sehr dysfunktional und ungesund war und lies mich auf diesen Schritt ein.

Zurück in der Schweiz setze ich mich in einer neu entstanden Umweltbewegung gegen Klimawandel ein, lernte sehr schnell, sehr viel, machte mich mit Ermutigung durch Maharaj als Webdesigner selbständig und gründete eine eigene Umweltorganisation. Maharajs Art mit Bewegungen im Leben umzugehen fand ich sehr spannend und wendete ihre Ratschläge wie „be complete in the moment“, das Nutzen von guten Gelegenheiten und dem Orientieren nach Öffnungen in Entwicklungen an. Es entwickelte sich eine starke und gute Energie in meinem Leben und viel sehr Gutes entstand, das auch andere bemerkten. Ich bin dafür sehr dankbar und ich habe vorallem anfangs sehr viel Gutes gelernt.

Freunde fragten wie, ich erzählte von Maharaj und wie ich vieles verbessern konnte. Ein langjähriger Freund, der gerade eine schwierige Trennung von seiner Familie hinter sich hatte und ein Sinnkrise erfuhr, fragte mich, ob er zu Maharaj auf Retreat gehen sollte, ich antwortete „Gehe Deinem Herzen nach“, er ging und blieb 10 Monate in Arizona. Er wurde Schüler, hatte Erleuchtungserfahrungen und wurde Swami (R.S.).

Eine andere langjährige Freundin, die mich kurzzeitig in ihre Wohnung aufnahm, kam mit ihr Kontakt, nachdem ihr empfohlen hatte, doch mal nach Tipps gegen konstante Blasenprobleme zu fragen und hatte per Mail sehr schnell Erfahrungen. Auch sie wurde, obwohl gerade erst Mutter geworden, Swami (M.S.), rasierte sich die Haare ab, trennte sich vom (auch in meinen Augen problematischen) Vater ihres Kindes und tauchte viel tiefer und radikaler ein, als ich es zu diesem Zeitpunkt war.

R.S. und M.S. sehnten sich danach, in der Nähe voneinander zu sein und miteinander praktizieren zu können und kauften nach etwa einem Jahr mit der vorgezogenen Erbe ihrer beider Eltern ein Haus im Thurgau und es entstand der Ashram in der Schweiz - God’s House Monastery. Ich war in dieser Zeit in einer vierjährigen Partnerschaft, die ich sehr genoss und schätze. Ich konnte mich öffnen und lernen mich auf einen anderen Menschen tief einzulassen, wir hatten zusammen Katzen, die ich sehr liebte und einen tiefen und für mich bedeutungsvollen Austausch. Natürlich diskutierten wir viel über meine Beziehung zu Maharaj und dem totalen, absoluten Anspruch des Gurus. Auch bearbeiteten mich Maharaj und J.S. immer wiedermal mich von ihr zu trennen, bezeichneten sie sogar als „Dark Force Companion“, welche weit unter meinem geistigen Niveau sei und mich bezüglich Erleuchtung behindern würde. Ich empfand das nicht so. Ich sah das Potential meiner Partnerin und ihr grosses Herz und empfand sie in vielen Dingen als bewundernswert. Leider haben die Gespräche mit ihr über die Jahre auch dazu beigetragen, dass ich ihre Referenzpunkte für was gesund ist und was nicht, veränderte. Nicht, dass ich sie drängte, ebenfalls Schülerin zu werden, aber ich teilte meine Weltsicht, die ja stark von Maharaj und von Co-Abhängigkeit beeinflusst war. Vieles fand sie ungut und zu totalitär, zu was ich heute auch zustimmen würde. Mein Einfluss war aber stark und als sie nach 4 Jahren dann mal Maharaj traf, später mal ein Buch eines indischen Erleuchteten las und eine starke Erleuchtungs-Erfahrung hatte, vertraute sie sich Maharaj an. Sie zog sofort für 6 Monate in den Ashram, trennte sich von mir, weil sie gemäss Maharaj meiner Erleuchtung im Wege stünde und rasierte sich die Haare, wurde Swami (F.S.). Maharaj trug auf, dass wir uns nicht mehr kontaktieren dürften, was dann fast ein Jahr lang (auch zu ihrer Familie) der Fall war und mich auch sehr mitnahm.

Im Sinn der Erleuchtung für alles, übernahm ich die Verantwortung für meine Gefühle und arbeitete mich durch alles durch. Maharaj trug mir auf täglich Tagebuch zu führen und ihr zu senden, zweimal in der Woche Sessions mit J.S. zu machen und vieles mehr. Eine dramatische Zeit für mich, aber auch F.S.. Die obligatorischen Sessions von J.S. über Skype in die USA fand ich manchmal hilfreich, manchmal nicht. Oft tat sie Dinge, die meiner Erfahrung nach für Coaches als missbräuchlich gelten. Teilte ich etwas mit, interpretierte sie es sofort und liess mich auf ihrer Interpretation arbeiten, Wenn ich mich dagegen wehrte, musste ich einfach meinen Widerstand loslassen (man nennt es im Ashram of Enlightenment Jargon „releasen“, sie liess mir oft keine Wahl, wie die Session verlief und ich wehrte mich manchmal. Sie warf mir Kontrollthemen vor, die aber sicher auch manchmal stimmten. Auch in späteren Jahren kam J.S. mit Listen, was sie alles in meinem Leben sieht und liess mich darauf releasen, was meist total nutzlos war, weil ich keinen Bezug zu mir herstellen konnte. J.S. war dabei aber immer sehr zufrieden und ich liess es einfach über mich ergehen - Naja, ich machte mit, weil ich doch ab und zu mal eine gute, erweiternde Erfahrung hatte und mich bemühte, mehr zu verstehen, zu lernen und mich hinzugeben. Die starken Erfahrungen der erleuchtenden Energie liessen mich eher an mir zweifeln, als an Maharajs Lehre.

Nach weiteren zwei Jahren kam der Vorschlag, doch auch ins Thurgau ins God's House Monastery zu ziehen, um zweimal in der Woche bei Satsangs auch live dabei sein zu können und nicht nur auf meinem Sofa via Skype und auch in der Nähe meiner langjährigsten Freunde R.S., M.S. und meiner geliebten Ex-Partnerin F.S. R.S. hatte damals ein Musikstudio dort, was ich toll fand, da ich auch selbst Musik machte. Im Geiste sah ich uns kreativ zusammen musizieren. Die Anwesenheit der Kinder der anderen Swamis, die Bauernhöfe mit den Tieren rundum, inspirierten mich und ich erwartete ein ganzheitlicheres Leben als alleine in Winterthur in einem anonymen Wohnhaus. Ich dachte auch fälschlicherweise, dass es eine bessere Umgebung für meine Katzen wäre. Meine Gefühle zu F.S. haben sich auch nie geändert, auch heute nicht, also genoss ich einfach den wenigen Kontakt, der noch erlaubt war zu ihr sehr. Und mir gefiel, wie sie sich auftat, wie ihr Herz sich nun ausdrücken konnte, das ich immer gespürt hatte und wie sie immer mehr erleuchtete. Wer würde das schon nicht wundervoll finden, bei einem Menschen, den man zutiefst liebt und in der Nähe sein zu dürfen. Zudem erwarteten natürlich alle, dass ich nun mehr erleuchte und überhaupt, es sei es ganz klar und ohne Zweifel Gottes Wohnung für mich!

Ich zog also enthusiastisch nach W., gleich neben den Ashram in eine eigene Wohnung, inklusive Katzen, baute eine gigantische Katzenleiter aus dem zweiten Stock, damit die Katzen ihren Auslauf und ihre Freiheit bekommen. Die Wohnung war gross und hell und günstig, was toll war, die Nähe zum Ashram sehr praktisch, das Pendeln ohne Auto nach Winterthur sehr anstrengend, zeitaufwendig und teuer.

Bald wurde die eine Katze von einem Auto angefahren und starb, Maharaj sagte mir dass ich dafür verantwortlich sei, weil ich 2000 CHF in die Katzenleiter investiert habe und nicht (wie versprochen, obwohl das nicht stimmte) dem Ashram gegeben habe und nun sofort auch die zweite Katze wegzugeben habe, sonst werde sie auch gleich sterben. Die Swamis stimmten da alle ein und äusserst traurig gab ich die verbliebene Katze in ein Tierheim. Ich befürchtete in der Tat, dass sie mit der neuen Umgebung ebenfalls nicht klarkäme (Verkehr) und auch zu alleine wäre ohne die andere Katze. Ich liess mich darauf ein, wenn auch schweren Herzens, da ich mich ja eigentlich für das wohl des Katzengspänli verpflichtet habe. Ich hoffte, dass sie bald einen neuen Platz fände, was dann auch nach zwei Wochen der Fall war. Nichts desto trotz, war es ein Verstoss gegen mein Herz.

Ein Jahr später war die Wohnung aufeinmal nicht mehr Gottes Wohnung für mich. Ich sei überstürzt und euphorisch eingezogen. Unten hörte man die betrunkenen Leute des zum Ashram benachbarten Restaurants, der Nachbar unten liess die ganze Nacht seinen Fernseher laufen - Maharaj meinte ich solle in den Ashram ziehen, das sei keine Wohnung für einen Swami. Das würde auch den Ashram mit der Miete für ein Zimmer unterstützen, mich mehr erleuchten lassen und überhaupt. Ebenfalls kam auch die Aussage, dass die Wohnung für eine andere Schülerin L.S. und ihr zwei Kinder gebraucht würde, und ich sehr egoistisch wäre, darin zu bleiben. Ich entschied mich, L.S., die Kinder und den Ashram zu unterstützen und mehr meiner Ressourcen so einzubringen. Die Mittel im Ashram sind eng, alle im Haus wohnenden Swamis hatten Schulden, brauchen Unterstützung der Eltern, ich konnte eine gute Hilfe sein und liess mich wiederum drauf ein. Natürlich musste ich auch in der Zwischenzeit Swami werden, Haare ab, Ring an, Initiation im hinduistischen Swami-Kleid, die Engel hätten jubiliert und so, und versuchte einfach alle Widerstände und Präferenzen loszulassen, was mir sicher auch gut tat! Kürzere Haare sahen auch seriöser aus und fand ich dem Alter angepasster. Eine Umfrage unter 20 Freunden ergab, dass es 18 besser fanden und ich liess es so und liess meine Präferenzen los und habe die Haare bis heute kurz, wenn auch nicht so kurz, wie sie es vorschrieb, da dann der Kopf ständig mit Kappen vor dem Wetter geschützt werden muss. Im Laufe der Zeit offenbarte Maharaj auch allen Swamis, dass die Swami-Initiation auch sexuelle Enthaltsamkeit und eigentlich auch ein Armutsgelübde beinhalte. Ersteres liess sie uns dann in einer persönlichen Initiation schwören. Da ich eh zu viel masturbierte, mehrmals die Woche, und dies nicht als zielführend bezüglich Erleuchtung sehe, liess ich mich darauf ein, konnte es aber nie einhalten. Süchte sind oft ein Mangel an intimer Verbindung mit anderen. Im Ashram sind die Beziehungen sehr formalisiert, fast etwas roboterhaft und nicht wirklich eng, menschlich und natürlich ohne körperlichen Berührungen. Während ich in der Beziehung mit Partnerinnen nie Probleme mit Masturbation hatte, intensivierte sich dieses während der Zeit mit Maharaj und dann erst recht nach dem Einzug in den Ashram.

Der Ashram bzw. God’s House Monastery ist räumlich eng. Maharaj bestimmt alles darin, jedes Bild, jedes Möbel, wie jeder Tisch und jeder Stuhl zu stehen hat, was dazu führt, dass es visuell sehr überladen ist mit zu vielen Bildern von Jesus, indischen Erleuchteten, Symbolen und hinduistischen Gottheiten und Bildern von ihr selbst. Eher eng. Mir tut Raum und Weite aber sehr gut. Aber: Ich sah es als Präferenz und ich fand Wege diese loszulassen und hielt mich aber auch nicht so oft in den gemeinsamen Räumen auf.

Ein kleiner Auszug ins Ashram-Drama: Maharaj machte natürlich ein Riesendrama aus dem Problem mit der Masturbation. Sie liess es mich möglichst ausführlich beschreiben und schickte die Kopien per Mail allen Swamis (war ein gutes Schamtraining für mich). Statt Masturbation wollte sie nur noch den Begriff „Soap Dish“ hören und geschrieben haben, was ich bizarr fand. Sie vermutete sehr besorgt, dass ich von meiner Mutter missbraucht worden wäre, wie zu dieser Zeit auch nei (fast alle) anderen neuen Schüler und scheinbar Swami M.S.. Sexueller Missbrauch war grad Thema im Ashram, ich stimmte dem nicht zu, blieb aber offen, dass es anderweitig vielleicht mal etwas missbräuchliches gegeben habe - kann ja sein. M.S. liess sich darauf ein, und beschuldigte dann ihren Vater des sexuellen Missbrauch, was natürlich eine traumatische Erfahrung für die Familie war. Zwei Jahre später hat M.S. dann alles als ihren eigenen Irrtum zurückgenommen. Maharaj gab ja dann aber ihr die Schuld daran. Ich machte wegen der Masturbation Session um Session mit Judi, Maharaj meinte, wenn ich masturbieren wolle, soll ich in den Wald gehen oder die ehemalige Wohnung (im letzten Mietmonat), deren Schlüssel aber von R.S. konfisziert war (ich sollte also bei R.S. um Erlaubnis für den Schlüssel fragen, damit ich in die Wohnung masturbieren gehen könne). Und natürlich kontaminiere meine Energie die anderen Swamis. Alle hätten meine Mails lesen müssen und sie und J.S. seien nun total erschöpft, krank und ausgelaugt, weil ihre Energie für diese Klärung aufgebraucht worden sei. Hmm. Ich erwähnte, dass sie die Mails nicht hätte rumschicken müssen. Zudem hatte nichts auch nur eine kleine Verbesserung gebracht - erst heute, nach der Zeit mit ihr, sehe ich die Faktoren und habe Einfluss darauf und das ganze hat sich massiv abgeflacht. Riesendrama, aber geholfen hat es nix. Für mich heute pure Inkompetenz. J.S. beschloss nach dem zweimaligen wochenlangen Drama, in ihren Session-Reports dieses Thema nicht mehr zu erwähnen (auch sie hatte jahrelang Probleme mit Brechsucht und sagte mir, dass es einfach über die Jahre weniger werde) und Maharaj glaubte fortan, es sei erfolgreich integriert und war ganz am Schluss völlig entsetzt, dass es nicht so war.

Ich begann, auch dadurch, dass ich vieles losliess und gute und erweiterende Wege für mich fand, mich langsam daheim zu fühlen. (Bezüglich der Enge, Maharajs psychologischem Druck und Unberechenbarkeit, Erniedrigung, Androhung, Beschuldigung, dann wieder Love Bombing und ab und zu echte, erleuchtende Hilfe versuchte ich einfach Preferenzen loszulassen und nicht zu reagieren. Das Pendeln nach Winterthur nutze ich als Zeit für spirituelle Praxis. Ich versuchte die Schülerin L.S. bezüglich ihrer Herausforderungen mit Essen und Kindern zu unterstützen, indem ich ab und zu mit ihren beiden Jungs kochte und gesunde Sachen versuchte schmackhaft zu machen. Ich arbeitete mit den Jungs im Garten, was diese liebten (und ich erst recht) und nahm den erstaunlichen 8-Jährigen auf zwei sehr lange Berg-Wanderungen mit. Ich verhalf R.S. zu Webdesign-Aufträgen, konnte alle mit meinen Computer-Kenntnisse unterstützen. Ich pflanzte Rosen und anderes im Garten, verlegte Platten, schuf in 50 Stunden die heutige Website des God’s House Monastery und half bei Renovationsarbeiten am Haus mit. Mein Highlight war dabei das Herausbrechen einer Wand mit dem Schlagbohrer. Yeah! Auf Input von Maharaj begann ich zum Gitarrenspiel zu singen und Lieder zu schreiben - danke schön! Das machte alles Spass, verhalf mir zu mehr Kompetenzen, gab mir Sinn und Erfüllung. Gleichzeitig hatte sich die von mir 2007 gegründete Umweltorganisation in den 8 Jahren wundervoll und stark entwickelt, erreicht international mehrere 100’000 Menschen mit wichtigen Themen für unsere Zukunft und ich hatte meist sehr inspirierende und bemerkenswerte Mitarbeiter und Freiwillige - ein Segen und Glück bis heute.

4. Lehre, Legitimation, Indoktrination

4.1. Wie sich Guruji Saint Grace Love Maharaj selbst legitimiert

Die Legitimation ist insofern relevant, als dass sie Maharaj erlaubt, sich selbst als Referenzpunkt für ihre Lehre und Überzeugungssystem bzw. in meinen Augen die Indoktrination zu setzen. Dies geschieht schrittweise, über die Jahre und relativ subtil.

Nach ihrer Schilderung hörte Maharaj von Gott 2012, dass sie der „Buddha of the Age“ sei und das zweiterleuchteste Wesen auf der Erde, nach Master Ram. Maharaj hörte nach ihrer grossen Erleuchtungs-Erfahrung Gottes tiefe Stimme, ob sie der Guru für seine Kinder sein werde, zu was sie zustimmte. Ihre volle Erleuchtung wurde ihren Angaben gemäss bestätigt durch Master Ram, Asaram Bapu (der, der im Gefängnis sitzt), Ganeshan (den sie aber selbst als spärlich erleuchtet bezeichnete) und einem befreundeten indischen Guru, dessen Namen ich nicht mehr weiss (und der schon zweimal weltweite Katastrophen in seiner Neujahrsrede heraufbeschwor). Als voll Erleuchtete habe sie auch Zugang zu Information und Ebenen, die anderen verwehrt seien. (Dies bestätigt sich im Alltag aber nicht. Voraussagen über alltägliche Dinge erwiesen sich zu 50% daneben - also eine normale Trefferquote. Angabe obskure, dem Schüler nicht zugänglichen Informationsquellen sind Teil vieler kultähnlichen Dynamiken) Eindeutig ist aber ihre besondere Fähigkeiten, manchmal Muster in Schülern zu spüren und ansprechen zu können. Manchmal fast überirdisch, manchmal auch Quatsch. Sie wird nach eigenen Aussagen nicht nur oft direkt durch Gott (tiefe Stimme) geführt, sondern auch durch Jesus Christus persönlich und direkt supervisiert, ebenso durch andere Heilige wie Ramana.

Maharaj betont immer wieder, dass sie immer erleuchteter sein werde als alle ihre Schüler, da sie schon eine zeitlichen Vorsprung habe und sie so immer ihr Guru bleiben würde (ebenfalls ein klassisches Verhalten). Dies alles wird mit der Zeit als Referenzpunkte gesetzt.

Notiz: beim Weg hinaus müssen diese Referenzpunkt freiheitlich untersucht und beleuchtet werden und das Selbstvertrauen, sich selbst orientieren zu können, wieder erschaffen werden!. So kriegt man die Glaubenssätze/Indoktrinationen wieder aus dem Kopf.

Hinterfragt man Maharaj Aussagen oder ihre vermeintlich Autorität in diversen Feldern, hinterfragt man Gott oder Jesus Christus oder die Weisheit von Master Ram und ihre volle Erleuchtung und sie fragt dann auch gern, wer man denn gedenke zu sein, dies zu hinterfragen. Und schnell wird einem auch gesagt, man stehe unter dem Einfluss von Kräften („dark force“) oder dem eigenen Ego, die einen von der Erleuchtung abbringen wollen. Dabei kann es um die eigene Auseinandersetzung mit ihren direkten Anweisungen gehen, die zu befolgen sind oder ihre Lehren, wie z.B. die wörtliche Auslegung der Bibel oder von Hollywoodfilmen, die sie oft als geschichtlich wahrnimmt (z.B. Cäsar, Jeanne d’Arc, Marie-Antoinette etc.). Manchmal kommen Zweifel vom Ego, manchmal aber auch vom gesunden Menschenverstand oder sogar der höheren Intuition. Was real ist, kann nicht durch Zweifel zerstört werden. Zudem ist ein solches System mittlelalterlich (Autoritätsglaube).

Ich kenne einen ehemaligen Schüler von Master Ram, der wiederum in Kontakt mit anderen Schülern von Master Ram steht. Als er ihnen berichtete, dass Maharaj nun als Guru aktiv sei, fanden diese das belächelnswert, weil ihre besonder psychologische Struktur damals anscheinend ziemlich auffiel.

Questioner: "How can I make out whom to follow and whom to mistrust?"
Sri Nisargadatta Maharaj: "Mistrust all until you are convinced. The true guru will never humiliate you nor will he estrange you from yourself. He will constantly bring you back to the fact of your inherent perfection and encourage you to seek within. He knows you need nothing, not even him, and is never tired of reminding you…"
- Zitat Nisargadatta Maharaj, Consciousness and the Absolute

"Flüchte so schnell Du kannst, wenn Dich ein Lehrer vereinnahmen will. Fliehe doppelt so schnell, wenn er Dir sagt, was Du tun sollst. [...] Deine Verehrung sollte ausschliesslich der Wahrheit gelten, nichts und niemand anderem. Eine Lehrerin, die zulässt, dass Du abhängig wirst, ist keine Lehrerin. Sie hungert in Wirklichkeit nach Macht.[...] Erwartet eine Lehrerin von Dir, dass Du an an ihre Lehren glaubst, die auf irgendwelche Erfahrungen beruhen, die sie hatte oder hat, dann ist sie keine Lehrerin. Persönliche Erfahrung ist kein Lehrer. Ein Lehrer, der dich davon überzeugen will, dass dein Ego aufgelöst oder zerstört werden sollte, ist sogar gefährlich."
- aus: Die Wirklichkeit verstehen von James Swartz, Vedanta-Lehrer, Seite 122

4.2. Guruji Saint Grace Love Maharaj und ihre erleuchtende Wirkung

Guruji Saint Grace Love Maharaj ist offensichtlich ein Shaktipat-Guru: Deutlich wahrnehmbare Energie kann durch sie transferiert werden und (milde) Heilungen bei Mensch und Tier als auch Erleuchtungs Erfahrungen vermitteln. Es gab nie medizinische oder andere Wunder, doch ist es manchmal deutlich spürbar für Studenten. Diese Energie ist weder Charisma noch körperliche Vitalität. Zudem ist sie raumunabhängig erlebbar. Man kann dies auch als Siddhi bezeichnen. Ihrer eigenen Aussage nach kann sie diese Energie nicht steuern oder zu einem Zweck bestimmen. Ich habe diese Energie noch ein paar Monate nach Weggang spüren können, obwohl sie keinerlei Verbindung zu mir mehr gewünscht hat und allen Schülern aufgetragen hat mit mir nicht mehr zu kommunizieren. Anscheinend entscheidet nicht sie das und scheint auch nicht an sie gebunden. Heute finde ich ihre Energie etwas grob, mehr Strahlung als Transzendenz und finde sie nicht mehr hilfreich, eher blendend.

Was meiner Meinung nach ebenfalls eine Rolle spielt, ist das Setting in der ersten Phase mit Maharaj. Das eigene Leben wird umgedeutet und in einen neuen Rahmen gesetzt. Maharaj erklärt wie nah man der Erleuchtung ist, begründet dies manchmal astrologisch, sieht Durchbrüche sehr nahe. Sie bekräftigt ihre Liebe zum neuen Studenten (Love-Bombing), man bekommt einen neuen Nachnamen, dann Vornamen, dann Swami-Namen, zieht in den Ashram ein oder geht auf Retreat in die USA, löst sich aus alten vielleicht auch sehr dysfunktionalen Beziehungen. Man liest ganz neue Bücher (ihre und auch äusserst tiefsinnige vedische), sieht ihre Satsang-Videos an. Vieles darin ist interessant, gibt ganz neue Deutungen der Realität, neues Gefühl des Lebenssinns. Man sieht sich selbst nun anders, sicher positiver, bedeutungsvoller (siehe auch letzten Abschnitt zu Narzismus). Zentral dabei finde ich auch die Anzahl eingesetzter Stunden für Meditation und Reflektion und die Sangha, die Gruppe gleichgesinnter Seelen, welche auch Erfahrungen des Höchsten beabsichtigen. In diesem neuen, freien, unterstützenden, emotional sicheren Raum voller guter Gefühle und Akzeptanz geschehen spirituelle Erfahrungen sehr viel leichter, weil ja auch die Muster des vorherigen Lebens temporär nicht mehr da sind. Mit einem solchen "Flippen" der Identität werden die spirituellen Erfahrungen aber auch nicht wirklich integriert. Die spirituellen Erfahrungen sind eher nicht total und integrieren sich auch nicht vollständig.

Ich blieb bei Maharaj und dem Ashram of Enlightenment, weil ich immer wieder Erfahrungen hatte; trotz der vielen für mich damals unverständlichen Verhaltensweisen. Ich hatte aber schon viele Erfahrungen vor Maharaj und ich würde auch sagen fundamentalere, zentraler erfahrene und ganzheitlichere, die ich damals auch unwiderruflich stabilisieren konnte. Maharaj öffnete mir einen neuen Zugang, einen mehr energetischen, mit mehr Gewicht auf Hingabe als auf Absicht. Sie sagte mir, dass ich sowohl mentale Erleuchtung, als auch Herzerleuchtung als auch finale Erleuchtung erfahren hätte. Alle diese Erfahrungen konnte ich noch immer beobachten, auch wenn sie erstaunlich und eindeutig Erfahrungen des Absoluten waren. In den Erfahrungen vor Maharaj gab es keine Dualitäten mehr. Ich empfinde es so, dass ich noch heute die Erfahrung der finalen Erleuchtung in den Alltag integriere und sie stabilisiere. Der Abschluss mit Maharaj und dem Ashram war Teil davon, weil ich damit tief liegende Co-Abhängigkeiten, Erlösungs-Überzeugungen und Ängste überwand. Im Ashram drin konnte ich die Unabhängigkeit und Freiheit, die diese Erfahrung einführte nicht zulassen. Ich erinnere mich genau daran, wie die Angst vor einer Reaktion von Maharaj (ich sagte ihr, dass ich kein Bedürfnis mehr nach ihren Satsang-Videos habe) mich aus der Erfahrung riss. (Co-Abhängigkeit)

Ich finde es missbräuchlich, wenn für Erfahrungen nur der Guru verantwortlich gemacht wird und wenn er sie wieder nehmen können soll. Meiner Erfahrung nach gibt es Bedingungen, die Erfahrungen erleichtern und Faktoren, die zu Erfahrung führen. Und Menschen, die einem dabei mithelfen können. Klar. Und Gnade. Es gibt nichts zu fürchten.

4.3. Ein paar Ausschnitte aus der "Lehre" im Ashram of Enlightenment

Guruji Saint Grace Love Maharaj lehrt sowohl absolute, eher non-duale Teachings als auch relative, weltliche Tipps bezüglich der Integration von Erleuchtung ins tägliche Leben. Sie schrieb viele Bücher, gibt zweimal pro Woche Satangs, welche meist auf Video aufgezeichnet werden, hat verschiedene Lösungs- als auch Erleuchtungstechniken entwickelt oder von diversen anderen übernommen und gibt diverse Kurse, Retreats und Workshops.

Sie definiert sich und den Ashram seit 2015 als Hindu-Christlich. Früher als Vedanta-Monismus -orientiert, welches alles integriert, was zu Erleuchtung führt, also auch Ansätze aus Sufismus, Buddhismus, modernen Techniken, Zen etc. Leider haben wir nie tiefe Teachings wie z.B. Buddhas Herz-Sutra oder Patanjalis Yoga-Sutra besprochen und leider verwirft sie fast alle modernen Ansätze als „dark force“ und irre leitend; sie verwendet immer nur dieselben paar wenigen Vedanta-Schriften, viele Auszüge aus der Bibel und ein eher geschichtliches Buch über Buddha von Thich Nhat Than. Maharaj bezeichnet ihre Lehre als Weiterführung der Lehre von Ramana Maharishi im Westen. Die von ihr empfohlenen absoluten Teachings find ich noch heute wunderbar (aus den Schriften Advaita Botha Deepika und Yoga Vasista Sara, welche Ramana seinen Schülern empfahl, zudem das Werk des hinduistischen Reformators Shankara). Ich bin sehr dankbar, dass sie mir diese gezeigt hat. Nach der Zeit im Ashram konnte ich weitere Überlieferungen zu Integration und Erleuchtung studieren; da merkte ich, wie mir das Studium fehlte und wie unvollständig und einseitig ich Maharajs Lehre heute nun empfinde. Nur ein kleiner Ausschnitt eines viel grösseren Bildes.

„The Guru is always right“ und „Be a follower, not a fan“ ist aber ihre hauptsächliche Devise. 100% Hingabe ist die vorbildliche Antwort eines Swamis. Maharaj wünscht Anhänger, nicht Fans. Man soll sich zudem zu dem Geisteszustand und dem Verhalten hin entwicklen, welche sie vorlebt. Da sie vieles nicht gut packt (Finanzen, Teamarbeit, Organisationsmanagement, edukatives Vorgehen u.v.m.), hab ich mich schnell von dieser Absicht entfernt und sie auch als Beispiel zu sehen gelernt, wie man es nicht machen sollte und davon auch bis heute dankbar profitiert.

Erleuchtungen werden auch durch Maharaj als vermittelt angesehen. Verlässt ein Swami den Ashram, sagt sie, dass sie dessen Erleuchtung wieder nehme. (Entwarnung: Mindestens drei ExStudenten, inkl. mir, haben dies ganz und gar nicht so erfahren. Meine Erfahrungen wurden reifer und direkter.)

„No one, however great, can give another person liberation (moksha) or band (bondage)“ - Ramana Maharishi in „Living by the words of Bhagavan“ von David Godman, S.

Da ich Ernährungs-Tipps, Alternativmedizin etc. gerne ausprobierte und erforschte und oft auf ein anderes Ergebnis und Erlebnis kam als von ihr gelehrt, wurde es schwierig für mich. Meine eigenen Resultate darzulegen und ihnen zu folgen bezeichnete sie dann oft als arrogant („Für wen hältst Du Dich? Kannst Du nur Dich selbst als Autorität sehen? Du bist so ein Kontrollfreak“). Sie lehrt einerseits eine abgewandelte Form der Dyade von Charles Berner als Technik (jedoch ohne die Freiheit alles anzusprechen), andererseits ein energetisches Loslassen mit den Händen im Kronenchakra von Mustern („Releasen“). Beide fand ich oft hilfreich, wobei das Releasen über die Hände nicht immer effektiv ist und ein etwas räumlich-energetischer Ansatz. (Es gibt zentralere Ansätze, die meiner Erfahrung nach mehr der natürlichen Bewegung des Bewusstseins entsprechen). Die meisten Schüler können damit auch ihre Core-Issues nicht integrieren und entwickeln sich nicht wirklich weiter. Sie lehrt auch eine Schutzschild-Technik, die einfach eine Visualisation von Farben und Bildern ist. (Hat bei mir selten was gebracht. Wertschätzung dem Leben gegenüber schützt mich viel mehr.) Zudem „Disentanglements“ um karmische Beziehungen zu anderen Wesen zu lösen, die auch Visualisation ist. Diese Technik hat sie von einer Therapeutin gezeigt bekommen und abgeändert. Ich hatte manchmal Effekte dadurch, oft aber nicht. Ein direktes Auflösen der Muster auf eine andere Person (Projektionen, unterdrückte Kommunikationen, Bedürfnisse und Abhängigkeiten) scheint mir viel effektiver.M.S. hat sich auch schon gewundert,w arum sie die ganze Zeit goldene Energie seiht, aber sich ihre Themen mit einer bestimmten Person nicht ändern. Der Einfluss von negativen Einflüssen aus der astralen Ebene vertreibt man mit lauten „Evictions“. Man ruft die Namen von Jesus, Heiligen und hinduistischen Gottheiten an und schickt die astrale Wesenheit mit gehobener Hand und lauter Stimme fort. Auch dies fand ich immer zweifehaft, da mir auch fortgeschrittenere Ansätze mit dem Umgang solcher Einflüsse bekannt waren. Mit dem Releasen werden manchmal auch alle Chakras released, bzw. deren Inhalte bezüglich spezifischer Themen, was manchmal tolle Resultate brachte.

Schlussendlich lösen sich alle innere Phänomene auf, die man bereitwillig erlebt, die Verantwortung dafür übernimmt und es dann loslässt. Um dieses natürliche Verhalten des Bewusstseins herum, haben sich eine Vielzahl von Techniken entwickelt in spirituellen Richtungen. Maharajs Ansätze sind etwas unklar im Vergleich zu anderen und vermischt mit Visualisation und Mythologie.

In den Sessions mit J:S. werden aktuelle Themen meist als Einflüsse aus vergangenen Leben gesehen, aufgespürt und so released. Maharaj empfiehlt auch Gebete, Singen von OM’s, Niederwerfungen auf den Boden und dutzende weitere kleine Sachen, auch aus eher modernen psychologischen Ansätzen. Die relativen Lehren hielten einer ganz natürlichen inneren Verarbeitung nie lange stand, sehr schnell merkte ich spontan, dass sie nicht differenziert genug oder korrekt waren. Da ist z.B. eine verdrehte Ernährungslehre vorzufinden, eine simplifizierte und falsch verstandene Form von chinesischer Medizin (Maharaj versteht die Relationalität in der chinesischen Elemente-Lehre nicht). Ihre astrologische Beratung hat trotz ihrem überaus grossen und beherzten Efforts auch nie was nutzbares gebracht, so dass ich sie mit der Zeit bat, diese aufwendigen, stundenlangen Beratungen für mich nicht mehr zu machen.

Zudem solle man möglichst nicht schlafen, sondern meditieren (Swamis leiden offenkundig oft an Schlafmangel, was nicht nur gefährlich ist, sondern auch sehr ungesund und kann das Hirn schädigen und zu Gewichtsverlust führen - eine Swami hat seit Jahren mit Untergewicht und Panikattacken zu kämpfen) plus allerlei verdrehte politische und weltbildliche Sachen, die zum Teil wirklich haarsträubend waren. Ein weiterer kleiner Auszug einer langen Liste: Man solle keine roten Tomaten essen, weil die sauer seien, sondern orange (gleichzeitig aber täglich Fleisch, was super sauer ist). Tomaten galten ein paar Jahre vorher bei ihr sogar als Aphrodisiakum. Man solle kein Hahnenwasser trinken, sondern gefiltertes, weil das Kalk im Wasser den Körper, schlussendlich den Körper des Gurus verkalken liessen und der Grund für Arteriosklerose seien (Notiz: Tierische Fette im Zusammenhang mit Fleischkonsum stehen im Verdacht Hauptursache zu sein). Zwiebeln und Knoblauch hätte sexuell stimulierende Wirkung (das ist nicht gerade die kollektove Erfahrung...), Peperoni erzeuge Gedanken und drum sollen darum gemieden werden. Auch die kleinste Menge Zucker könne zu Krebs führen. Orange Unterhosen und Bettwäsche würden gegen Masturbation helfen. Amulette mit hinduistischen Gottheiten waren zeitlang Pflicht. Ich probierte die mal aus, liess es dann aber sein, weil ichs Humbug fand. Eine Swami liebt das aber und hat gleich ein halbes dutzend :) an. Im Winter sollen die Fenster zugelassen werden und dafür mussten alle Lufttrockner anschaffen, weil es draussen feuchter sei (Erzeugte einiges an dramatischen Schimmelpilz in Maharaj's Wohnung. Als ich sie darauf ansprach und erwähnte wie gesundheitsschädlich dies sei, erwiderte sie nur, dass sie andere Prioritäten hätte). Kühlschränke müssen mit Aluminiumfolie (die goldenen Schock-Wärmesäcke für Autounfälle) eingewickelt werden, weil sie ungesund strahlen würden (man kanns einfach messen: die bringen nix, und man fragt sich zudem, ob denn der Elektromotor im Kühlschrank tatsächlich schlimmer ist als das Wireless-Feld in allen Ashrams.) 24 Grad ist dabei die optimale Temperatur um in Samadhi zu bleiben (nicht einfach da bis spät in den morgen bei ihren langen Satsangs und Filmschauen wach zu bleiben!). Krass fand ich auch, wie sie 2014 anfing zu verlangen, dass man während ihrer Satsangs immer nach vorne zu ihr blicken solle, ohne den Blick abzuwenden, dies über 2-5 Stunden. Ich fand es oft monoton, wie sie z.B. Bücher oder Gedichte runterleierte (man muss dem leider wirklich so sagen), zudem manchmal schwer verständlich und da fand ich es angenehm ab und zu im Raum zu schauen, um mich wachzuhalten. Dies verbat sie dann, was ich bizarr fand, da dies eine eher hypnotische Wirkung erzeugt, das Gegenteil von Erleuchtung. Maharaj hat in Satsangs auch oft von ihrem Shopping-Verhalten, von körperlichen Problemen bis hin zu Analysen ihrer Ausscheidungen berichtet, was mir recht selbstbeschäftigend und exhibitionistisch erschien und nicht wirklich relevant. Weitere Guidelines, die aufkamen: Swamis sollen ausser dem Guru keine Freunde haben. Mit jm. eine Beziehung (Partnerschaft) zu haben, sei schlimmer als ihn/sie zu töten. Etc… Man sieht ein ziemlich abstruses Sammelsurium, zudem selten differenziert, dafür immer direkt von Gott oder Jesus kommend. Und viele dieser Dinge wechseln natürlich im Monatstakt.

„For example there flourish today, as in the past, various sorts of gifted spiritual adepts and miracle-workers and magicians, leaders of large-scale cults, who seek (sometimes with spectacular if temporary success) to exploit their contact with What they are, in order to promote what they are not - namely their false selfhood, their limited ends, their power over others, in short their ego. At its worst this is the road to spiritual suicide. At its best, a tempting side track which diverse for time more than a few travelers. The mark of this sort of leader is that, instead of insisting that his followers look to their own ingots Resource, and accordingly take responsibility, for their lives, he encourages them to look to and to rely on him. He may explain that handing over to him, the external guru, is a first step towards handling over to the internal Guru, their true Self; but in practice this second step - which requires a right-about-turn - may well get increasingly hard to take as the months and years of mounting devotion go by. On the other hand, if the guru really wants his disciples to break free of him as soon as possible, and turn inwards to their own Self-sufficiency, he has ways of helping them to do so - with the result that their love and gratitude can only deepen.“ - Douglas E. Harding, On Having no Head, S. 111

4.4. Guruji Saint Grace Love Maharaj und die Reinkarnation

Noch etwas mehr Einblick in Guruji Saint Grace Love Maharajs Lehre, den man nur als langjährigen Swami mitbekommt: Maharaj sieht sich als Reinkarnation von folgenden mythologischen, literarischen und historischen Persönlichkeiten:

Viele ihrer aktuellen Schüler sieht sie dann jeweils als Personen im Umkreis dieser historischen Persönlichkeiten und heutige Vorkommnisse als Wiederholungen derselben (Wird übrigens in einigen sektierischen Gemeinschaften genau gleich praktiziert). Z.B. die ganze Riege an Staatsgründern der USA sind ehemalige Reinkarnationen von heutigen Swamis. Es spielte ihr dabei auch keine Rolle, wenn Reinkarnationen zur selben Zeit waren (in meinem Fall Mozart, Hamilton, König Louis der 16. und Wilberforce). Ich hatte nur mit Wilberforce eindeutige Erfahrungen. Einige dramatische den SchülerInnen und Kindern von Schülerinnen zugewiesene Inkarnationen sind unter anderem: Gott des Krieges, Mao, Hitler (einer Mutter eines kleinen Babies hat sie gesagt, dass ihr Kind Hitler gewesen sei), Kaiser Pilatus, Napoleon, Gnom im Film Merlin (Assistent der hexenhaften Göttin) etc.

Wenn wiedermal ein solcher Zusammenhang im Raum steht, schaut man Spielfilme und released die im Film vorkommenden Muster der Akteure, begleitet von Sessions mit J.S.. Viele Filme, wie z.B. über Cäsar, Jeanne d’Arc oder Moses-Filme werden immer und immer wieder geschaut, stundenlang bis spät in die Nacht. Es sah selten danach aus, als würde damit wirklich was integriert, vorallem, wenn die Filme zum xten-mal um späte Stunde angeschaut werden, wird auch nicht mehr viel neues entdeckt oder released. Oft schläft Maharaj dabei selbst ein :) Zudem hält sich Maharaj an Filme, die ihr zusagen, meist Hollywood-Produktionen, die ein gutes, aber unhistorisches Drehbuch haben. Maharaj nimmt die Hollywood-Version dann aber als die wahre Version. Bei Cäsar sollte man z.B. besser nicht ansprechen, dass er Hunderttausende Gallier, Männer, Frauen und Kinder getötet und versklavt hat und Dörfer niederbrannte, um so Roms Aufschwung zu finanzieren. Dies würde als Attacke auf den Guru gewertet werden (Passierte mir einmal). Dies sage ich, um zu zeigen, dass in der Erforschung der Reinkarnationen nicht wirklich eine offene Atmosphäre herrscht. Schade, ist das Thema und die offensichtlich vorhandenen Phänomene doch sehr spannend!

4.5. Schuldzuweisungen und Prophezeiungen für Schüler im Ashram of Enlightenment

Prophezeiungen wenn ich nicht folge und den Ashram verlassen würde

„Wenn Du den Ashram verlässt, wirst Du eine Erfahrung von Christus haben, da Gott Dich nicht aufgeben wird, die so stark ist, dass Du christlicher Pfarrer wirst und viele Menschen anziehen wirst. Dort wirst Du Deinen Einfluss missbrauchen und mit vielen Frauen Sex haben und schlussendlich tief fallen.“
„Ich sah ihn als Hund wiedergeboren, der an seinen Genitalien leckt“ (Aussage der für die USA bestimmten Nachfolgerin von Maharaj, bestätigt durch Maharaj)
„Ich sah, dass er Websiten für Pornografie machen wird und sogar selber Porno-Filme dreht.“ (Aussage einer Schülerin, mit grossgeschriebene OMs in kommentierenden Mail durch Maharaj bestätigt)
„Deine Umweltorganisation wird eingehen, wenn Du den Ashram verlässt. Dieses Projekt ist ein Ashram-Projekt und ich habe es Dir gegeben, damit Du selbstbewusster wirst. Hast Du das Gefühl, Du könntest diese Organisation alleine mit Deinem Ego fahren lassen?“
und, und, und… ich weiss, man kann es kaum verstehen wie jm. da mitmacht.

Dramatische Zuweisungen von Verantwortung

Dein Kater wurde überfahren, weil Du das Geld für die Katzenleiter verwendet hast, das Du bewegt warst, dem Ashram zu geben.“ (habe das aber nie versprochen und erinnerte mich nie daran).
„Dein Kater wurde überfahren, damit Du endlich erleuchten kannst.“ (Von meiner Ex-Partnerin vorgebracht, mit grossgeschriebene OMs in kommentierenden Mail durch Maharaj bestätigt)
„Deine übrig gebliebene Katze wird nächste Woche überfahren, wenn Du sie nicht weggibst und Du wirst sie wahrscheinlich auf der Strasse aufnehmen müssen, mit zerquetschten Augen und solche schlimmen Ansichten und dann ein wirklich gebrochenes Herz deswegen haben, weil du sie nicht beschützt hast.“
„Deine Freundin ist ein Dark Force Companion und ist von niedrigerem Bewusstsein als Du“ (Aussage einer Schülerin, abgenickt von Maharaj. Heute ist diese (übrigens immer noch wundervolle) Ex-Freundin offizielle Guru-Nachfolge für Europa)
„Dieses und alle Deine nächsten Leben werden von langsamen und kontinuierlichem Niedergang geprägt sein.“
„Du und Dein Widerstand sind verantwortlich für die Hälfte aller momentanen Kriege auf dem Planeten und für den wahrscheinlichen Ausbruch des dritten Weltkrieges.“
„Du bist verantwortlich für meine Wirbelsäulen-Fraktur, konstante Dark Force Attacken auf mich und den Ashram und die Probleme beim herausstehenden Anus.“ (Maharaj hatte konstant Gesundheitsprobleme, für welche sie allesamt Studenten verantwortlich machte. Gleichzeitig bewegt sie sich kaum, arbeitet die ganze Zeit am Computer und isst täglich Fleisch)
„Wegen Dir kann ein hochstehender Student nicht kommen und erleuchten, weil Deine Energie so niedrig und unpassend ist.“
„Du bist nun komplett von dunklen Wesenheiten besessen.“ (nach dem ich nach 9 Jahren Auseinandersetzung damit klar stellte, dass ich nicht allem in ihrer Lehre folgen könne und dahinter stehen könne, obwohl es für mich ok ist, wenn sie diese Dinge glaubt.)
„Du bist nun ganz alleine auf Dich gestellt.“ (nach ihr Jesus gesagt habe, dass sie mich loslassen müsse)

Mir zugewiesen Leben waren häufig auch nicht die ruhmreichsten: ein homosexueller Tyrann vor Cäsar, Tyrann Clovis, ein fetter Bischof der Franziskus von Assisi sabotierte, Wilberforce, Finanzminister Hamilton, ein dekadenter König von Frankreich (Vater von Louis XIV), ein sexsüchtiger Mozart, chinesischer Tyrann u.v.m.

Aussagen gegenüber anderen Schülern

„Du bist nah dran, in eine ernsthafte Schizophrenie abzurutschen“ an M.S.
„Du hast Schizophrenie“
… (an den Mann eines Ehepaars, das den Ashram nach einem intensiven Jahr verliess. Maharaj liess die beiden, nachdem sie beide bemerkenswerte Erfahrungen hatten und schnell zu Swamis wurden, ihre Eigentumswohnung verkaufen, die beiden mit je einem Kind an verschiedenen Orten wohnen, die Scheidung einleiten, pushte, dass deren Firma verkauft werden solle. Das Jahr im Ashram of Enlightenment kostete die beiden 50’000 CHF und war sicher nicht einfach für die beiden Kinder, die auf einmal nicht mehr zusammen wohnen sollten. Nachdem der Mann mit R.S. kollidierte (R.S. kann zu anderen Männer sehr bedrängend sein) und dieser kurz vor einem regelrechten Burn Out anschrie, dass er ihn umbringe, musste er natürlich sofort den Ashram verlassen. Seine Frau ging gleich mit. Beide gingen pflichtbewusst nach dem Verlassen des Ashrams ein halbes Jahr lang zu einem Psychiater wegen Schizophrenie in die Untersuchung, welcher diese nach zwei Sitzungen heimschicken wollte. Er lobte sie, dass sie Grenzen zogen und dass es wirklich gut sei, dass er ausgerastet sei und den Ashram of Enlightenment verlassen musste.

4.6. Zukunftserwartungen von Guruji Saint Grace Love Maharaj: „I get that…“

Sie erwartet um das Jahr 2020 heraus ein Zusammenkommen von erleuchteten Meister in God’s House Monastery im Thurgau. Und das Wiedererscheinen von Christus mit seinen Heerscharen an Engeln (wobei sie nie wirklich ausführen wollte, ob sie das so wörtlich meint, wie sie es immer erzählt. Gegenüber dem General Secretary des Clubs of Rome, siehe unten, meinte sie, dass sie damit einfach einen globalen Shift des Bewusstseins meine. Sie passt ihre Art zu kommunizieren jeweils dem Zuhörer an.) Sieht sich neben Master Ram als momentan zweiterleuchteten Guru auf der Erde und als „Buddha of the Age“, deren Lehre für 1000 Jahre massgebend sein werde. Und damit verbunden auch, dass sie bekannt werde. Sie erwartet, dass die mit der Zeit das gesamte Weltbewusstsein in sich tragen wird.

Sie erwartet sporadisch auch immer wieder diverse Katastrophen durch Viren, dritten Weltkrieg, Finanzkollaps, den Zusammenbruch des Buddhismus und einen sehr nahen Kälteeinbruch über Europa durch den Klimawandel (Abbruch des Golfstroms). 2006 (nach dem Betrachten von An Inconvenient Truth:) „In zwei Jahren wird der Golfstrom zusammenbrechen und Europa in einer Eiszeit versinken“ (Der Zeitraum verkürzte sich dann monatlich, bis sie nicht mehr davon sprach, weil eben ja auch nix eintraf.) Maharaj erwartet, dass sie weit über hundert Jahre alt wird.

„Obama wird zum Diktator werden und ist wahrscheinlich der prophezeite Antichrist“
Die Swamis sieht sie als künftige Weise, jedoch nicht als Gurus. Abgesehen von F.S., meiner Ex-Partnerin, welche sie offiziell als ihre Guru-Nachfolge aufgestellt hat und ausbildet. Niemand ihrer Schüler sei bestimmt, bekannt zu werden und selber zu lehren. Man kann auch sicher sein, dass neuen Schülern dramatische Dinge prophezeit werden. Beispiel: Gemäss Maharajs dramatischer Vorhersage, hätte der Hund meiner Schwester bereits bei ihrem Besuch im Ashram sterben müssen. Sie empfahl meiner Schwester auch dringend Sessions mit J.S. deswegen. Ihrer Aussage nach habe der Hund Krankheiten an Lunge und Augen entwickelt, weil meine Schwester angeblich Dinge in Ihrem Leben "nicht sehen" wollte. Die Sessions kosteten dann für gewöhnlich auch. Es wurde dann eine Augenoperation empfohlen, welche auch der Hund sich wünschen würde, damit er meine Schwester noch lange sehen könne, weil er sie so sehr liebe. Bei meiner Schwester flossen dabei natürlich reichlich Tränen. Die Operation stellte sich nach kurzer Zeit als unnötig und falsch heraus. Der Hund lebte noch zwei Jahre bis in sein hohes Alter. Die dramatischen Prophezeiungen dienen dann als gute Gründe, Wohnungen zu wechseln, Beziehungen zu beenden, Haustiere wegzugeben etc. und sich ganz Maharaj und dem Ashram of Enlightenment zu widmen.

4.7. Wie sich Maharaj um Schüler des Ashram of Enlightenment sorgt

Maharaj hat schon über 200 Personen als temporäre Schüler und sogar langjährige Swamis gehabt. Geblieben sind dabei (Stand Anfang 2015) 5 Swamis in der Schweiz und zwei in den USA. Nur J.S. ist dabei wirklich langjährig (Mehr als 20 Jahre). Sie hat ihre Schülerschaft und ihr Staff / ihre Swamis oftmals als leider recht mangelhafte, aber halt beste Auswahl, die Gott für sie hat, bezeichnet. Keine Sorge: Swamis sind gut trainiert und schwer zu beleidigen :)

Keiner dieser Swamis kann man im Sinne alter Weiser als voll erleuchtet wahrnehmen, auch wenn alle offensichtlich tiefe, fundamentale Erfahrungen erlebt und einiges integriert haben. Co-Abhängigkeit-Muster waren bis 2015 sehr leicht zu beobachten, ebenso Süchte, unguter Umgang mit Essen, Unehrlichkeiten durch Ängste, starkes Glauben-Wollen, Unterwürfigkeit, psychologische Instabilität bis hin zu Selbstmordgedanken und allerlei Illusionen und Dramen. Es herrscht die Idee vor, dass Integration von Erleuchtung dramatisch sein kann, ja fast muss. Wiederholt erwartet Maharaj enthusiastisch einen neuen hohen Zufluss an Schülern und Expansion des Ashrams. Genauso oft tauchen Menschen auf, die dann aber schnell wieder verschwinden und über welche sie dann auch immer ungut redet (Thema Dark Force und wie crazy und unerleuchtet die Entscheide der Einzelnen seien, was für ein Verlust für die Welt etc. bis hin zu unwahren Verzerrungen). Die meisten kommenden und gehenden Schüler haben wenig Selbstbewusstsein und sehen den Fehler bei sich, sind auch oft nicht sehr klar oder finden die Erfahrung verwirrend und so wird nie gross was darüber bekannt.

Wenn Schüler gehen, steht der Ashram insgesamt oder auch einzelne Exponenten dann fast jedesmal unter dramatischem „Dark Force Attacks“, die man mit der Eviction-Technik, welche astrale Wesen austreibt, Sessions und Filmeschauen bewältigen muss. Alles, was die gehenden Schüler benutzt haben wird dann schleunigst entsorgt oder verbrannt, gewaschen, ins Brockenhaus gebracht. Kontakte werden abgebrochen. Augen- und Körperkontakt vermieden. Man schützt sich mit Kissen, Tiger-Decken, Spiegeln an den Fenstern aussen, Amuletten und ätherischen Ölen. Der Support für die ehemaligen Schüler wird sofort eingestellt. Zimmer ausgeräuchert. Alles möglichst gelöscht. Das geht immer in stundenfrist und kam mir oft vor, als seien abgefallene Schüler ab einem gewissen Punkt auf einem Förderband Richtung Ashram-Müllhalde. Aus den Augen aus dem Sinn. Und das mit um 200 Personen (Einschätzung von Maharaj, die sie mir mal selbst sagte)!

Mehrere der längerbleibenden Swamis haben sich regelrecht über Nacht verdrückt oder wenn Maharaj im Ausland war. Mit freundlichem Abschiedsbrief ohne zu tief ins Thema zu gehen, warum. Maharaj kann tagelang auf einem einreden (Mails, Telefone und via andere Swamis), wenn sie etwas gut fände und einem regelrecht durch ein Riesen-Drama zwingen. Ich denke heute, dass diese Swamis sich elegant Maharajs Überzeugungsversuchen entzogen haben so. Die, welche ich kannte und auch lieb hatte, kamen nie mehr zurück, obwohl sie Erleuchtungserfahrungen hatten bei ihr.

Maharaj passt Aussagen über den Ashram of Enlightenment den Empfängern der Kommunikation an. Häufig gibt sie auch Schülern vor, wie etwas an andere (meist Auswärtige oder Schüler in Krisen) zu kommunizieren ist, was dann wortgetreu und recht starr und repetitiv auch gemacht wird. Manche Mails von Swamis sind regelrecht von Maharaj vorbuchstabiert. Es gilt, auch nicht alles zu kommunizieren oder zumindest so gut zu umschreiben wie möglich. Ich zog mich jeweils zurück, wenn sie das über mich versuchte, da ich empfand, dass sie es doch dann selber kommunizieren sollte.

Maharaj lehrt, dass man durch die Integration der Erleuchtung so werden wird wie sie und jetzt schon so handeln und vorgehen soll, wie sie das vorlebt. Gleichzeitig betont, sie, dass Erleuchtung jeden sehr individuell macht. Dazu kommt, dass gewisse spirituellen Techniken und Weisen sich auszudrücken (Sprachwahl), wie z.B. der Forgiveness-Prozess, oft fast mechanisch, man kann auch sagen diszipliniert in guter Absicht gemacht werden. Es entsteht so eine etwas unauthentische, zurückgehaltene Swami-Ausdrucksweise und Wiedergabe einer Weltsicht, die man von aussen als roboterhaft empfinden kann. Guruji Saint Grace Love Maharaj erwartet mehrmals wöchentlich Mails mit Berichten der Woche. Diese kommentiert sie dann mit „OM’s“ oder sehr starken Bewertungen wie „bizarr“, „ekelhaft“, "grobschlächtig" oder „crazy“. Für alle Swamis ist das Lesen der Mails, oberste Priorität, am besten mehrmals täglich checken, schwierig und absorbierend. Kann aber auch sehr integrativ wirken. Man muss sich mit Erniedrigung, Bewertung und der eigenen Abhängigkeit von ihrem Urteil auseinandersetzen und wird im besten Fall immun dagegen und erwachsener.

Maharaj gibt, wenn man sie lässt, die Länge der Haare vor, den Beruf den man wählen soll, die Verwendung der finanziellen Mittel, zur Diät, zur sportlichen Betätigung, Kleidern, Beziehungen alles vor. Sie nennt dies Richtlinien und nicht Regeln, jedoch erzeugt man ein Theater, mit Konsequenezn, wenn man diese nicht befolgt. Wenn man sie nicht lässt, gibt sie es auch auf, wirft aber sicher ab und zu vor, dass man einen Mangel an Hingabe hat, sich zurückgezogen habe und darum nicht erleuchtet oder Erleuchtung überdeckt hat.

Sie kümmert sich gerne um jedes Detail, in ihrer Absicht andere zu erleuchten. Man kann dies ohne weiteres auch als Kontrollwahn und typisches co-abhängiges Verhalten ansehen. Man sollte im Ashram of Enlightenment immer in englisch sprechen („Its your new mother language“), einen einfachen möglichst handwerklichen Beruf haben, möglichst beim Ashram of Enlightenment leben und arbeiten, die von ihr vorgezogene Musik hören, nach ihren Essenstipps essen, ihr Einblick ins private Budget geben und ihre Vorschläge umsetzen etc . Wenn man mal Ashram-Ferien machen will, kommt sie natürlich unbedingt mit (sogar als ich Wanderferien in Italien machen wollte, obwohl sie kaum noch 100 Meter gehen kann, plante sie sich ohne zu fragen kurzer Hand mit ein! - Hmm…) Und besser als Ferien wäre natürlich ein Retreat in Arizona. (F.S. kam einmal völlig am Boden, irgendwie gebrochen und erschöpft aus ihrem Arizona-Retreat zurück. Ich bereue es noch heute, dass ich mir nicht Zeit für sie genommen habe und gefragt habe, was los ist.) Als R.S. nach einer Erleuchtungserfahrung 2008 Ferien mit seinen Kindern gemacht hat, warf sie ihm vor, dass er ihre Energie damit stehle.

GOTT darf man nur in Grossbuchstaben schreiben, ebenso „YOU“ wenn man sie anspricht und „HIM“ wenn man auf Gott oder Jesus referenziert etc. Um kein andauerndes Drama deswegen zu haben, habe ich das dann auch nach mehrmaligen Versuchen, es nicht zu machen, auch gemacht. Oft wollte sie von der Entwicklung der von mir mitbegründeten Umweltorganisation hören, wäre gern Vorstandsmitglied geworden und wollte über Einstellungen, Kündigungen und Budgetentscheide, Raummieten mitentscheiden, da dieses Projekt ja energetisch ein AshramProjekt sei. Da ich schnell merkte, dass ihr jegliche Kompetenzen, was Organisationsentwicklung betrifft, fehlt, habe ich diese Dinge nicht mehr mit ihr geteilt. (Anliegen von ihr waren z.B., dass gemeinnützige Vereine kein Geld auf ihrem Bankkonto haben dürfen und Fundraising nur vom Vorstand gemacht werde solle. Beides könnte irreführender nicht sein. Nach einer Weile meinte sie, dass sie dieses Projekt mir nur gegeben habe, damit ich mehr Selbstbewusstsein entwickle und dass der Punkt komme, wo sie es mir wieder wegnehme. Es tue mir nicht gut, im Vordergrund zu stehen und etwas zu leiten. Natürlich hat sie mir geholfen, zur Person zu werden, die ich heute bin. Zum Umweltprojekt hat sie aber nur ganz marginale Inputs geben können und durch meine Absorption mit der von ihr verursachten psychologischen Dynamik sicher nicht immer positiv beigetragen. Trotzdem präsentiert sie sich gerne als „erfahren in Beratung für Non-Profits“.

Es gäbe noch seitenweise Erstaunliches, ab ich denke, dies gibt nun genug Einblick, was im Ashram of Enlightenment „gelehrt“ wird.

4.8. Ist der Ashram of Enlightenment sektiererisch oder nicht?

Erstens Man muss dran denken, dass häufig intelligente, wache Leute in sektiererische Dynamiken reingezogen werden. Das ganze ist nicht so trivial und Gruppendynamiken sind sehr stark. Wir alle haben viele Jahre an kultureller Indoktrination hinter uns rund um die Überzeugungen, was man in Bezug auf Erlösung, Macht, Geld und Vergnügen zu glauben habe. Die Wahrheit scheint mir: es ist unsere Wahl alleine, was wir glauben. Umgekehrt können auch in Firmen, Parteien und Freundeskreisen sektiererische Verhaltensweisen auftreten. Oder man schaue sich den ganzen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche an, wie kann intern nicht darüber dringend gesprochen und gehandelt werden? Es ist aber so, dass das Verhalten im Ashram of Enlightenment und God’s House Monastery im Thurgau recht erstaunlich auf Beschriebe und Kriterien von Kulten und Sekten passt. Auch die Erfahrungen von Ex-Gefolgsleuten ähneln sich frappant. Von 19 von relinfo.ch angegeben Kriterien, welche auf bedenkliche Gruppierungen hinweisen, erfüllt Maharaj Verhalten ganze 11! Dies ist bedenklich und hat mich geschockt, als ich dies zum ersten Mal sah. Im Kapitel 6 sind noch weitere spannende Sichweisen auf das Phänomen aufgeführt, wie z.b. Narzismus, Erlösungs-Ideen etc.

Zweitens hab ich noch nie von solch bizarren Verhaltensweisen und Guru-Präsentationen bei Ramana, Nisargadatta Maharaj und anderen Weisen gehört. Es scheint für Erleuchtung nicht notwendig zu sein. Warum dann sich dem aussetzen und dem folgen und dies sogar nach aussen vertreten müssen? Dazu siehe auch im Kapitel 6.

5. Der Weg raus

5.1 Wahrgenommen Grenzen, Absurditäten und der Aufbau von kognitiver Dissonanz

5.1.1 Gespräch mit dem General-Sekretärs des Club of Rome

Auf Maharajs klare Bitte hin, sie mit dem damaligen Generalsekretär des Club of Rome zusammenführen, habe ich ein solches Treffen eingeleitet. Der Club of Rome war ein früher sehr bedeutsames Netzwerk im Umweltbereich mit globalem Impact als das Buch „Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht wurde. Im Vorfeld war Maharaj äusserst enthusiastisch darüber, dem Staff des Clubs Kurse anzubieten, machte sich neue Visitenkarten als NGO-Beraterin und bat einen Schüler an einer Website zu arbeiten, wo sie sich selbst als Kompetenz anpries. Dies weil sie mich angeblich im Aufbauprozess einer Organisation begleitete. (siehe oben) Ich fand die Idee nicht real und wirklich unpassend, wollte und konnte sie aber auch nicht stoppen oder berichtigen. Macht man ja mit einem enthusiastischen Guru nicht. Beim Treffen selbst war erstaunlich zu sehen, wie die beiden aneinander vorbeiredeten, trotz gleicher Muttersprache. Maharaj fragte, ob er denn auch Reiche und Mächtige zu einem umweltfreundlichen Lebensstil aufgerufen habe in seiner Laufbahn. Er missverstand es als Kritik an seinem Staff und erklärte, dass sie und die Gründer des Club of Rome immer so umweltfreundlich wie möglich lebten. Sie verstand es so, dass er Reiche und Mächte anscheinend nicht anspreche und war ernüchtert und konsternierte sich später im Satsang drüber. Er war sehr freundlich und wollte sie nicht vor den Kopf stossen, wenn sie Fakten auftischte, die nicht stimmten (z.B., darüber dass die Schweiz ein schlechteres Stromnetz hätte als die USA und viel Energie verschwenden würde deswegen). Ich war sehr erstaunt, dass sie all dies nicht bemerkte, machte sie aber aus Respekt und mangels Interesse ihrerseits, nicht darauf aufmerksam. Obwohl ich aufpasste, ihren Enthusiasmus während ihrer Vorbereitungen aufs Treffen nicht zu spiegeln und zu unterstützen und Bedenken äusserte so gut ich konnte und ihr in einem Budget vorrechnete, dass ein so grosser Kurs anders aufgezogen werden müsste um sich zu rechnen, meint sie am Schluss, dass dies alles nur für mich passiert sei, damit ich etwas lerne. Und es sei natürlich mein Fehler gewesen. (Es gab schon mal eine Vorbereitung für Vorträge an einer Esoterikmesse, die ich ebenfalls nicht begeistert unterstützte, aber alles ausführte wie sie das wünschte. Die Leute dort behandelten sie nicht bedingungslos und mit allererster Priorität wie einen ehrwürdigen VIP und konnten Extrawünsche wie einen Sofastuhl für die Bühne zu beschaffen nicht erfüllen, was sie als unangemessen und respektlos empfand und alles abblies. Mir sagte sie dann damals schon, alles sei nur als eine Lektion für mich geschehen wäre. Ich habe meine Lektion damals tatsächlich gelernt und hielt mich fortan von allen enthusiastischen Projekten (= mehr Studenten, neue Häuser, Öffentlichkeit) fern.) Spannend dazu: das Kapitel zu Narzismus.

5.1.2 Verleugnung

Ein anderes erstaunliches Erlebnis war folgendes: Maharaj empfiehlt ein Buch als Referenz in Ernährungssachen: Paul Pitchforks Healing With Whole Foods, rund 1000 Seiten. Nach ein paar Jahren nahm ich mir vor, diesen Aspekt mal wirklich zu integrieren und las während Monaten Kapitel um Kapitel. Ich entdeckte, dass dieses Buch mehrere Kapitel und Stellen hat, die von Fleischkonsum aus moralischen, energetischen und gesundheitlichen Gründen abraten, sprich, Fleischkonsum nur bei schweren Mangelerscheinungen zu Heilungszwecken empfehlen und sonst eine vegane Diät empfehlen, falls möglich. Ich war erstaunt und es kam mir aber auch entgegen, da ich Fleisch nie mochte und mich Tierprodukte immer ermüdeten. Ich erzählte ihr von obigem Satz („nur bei Mangelerscheinungen“), der ohne Übertreibung mehrmals als Leitlinie für die Ernährung angegeben wird und sie entgegnete scharf, dass ich dies völlig aus dem Kontext zerre und mich irrte. Hmmm. Ihre Empfehlung ist es, täglich 100 Gramm Fleisch (Fisch, Rind, Schwein, Lamm, Austern) zu essen, da das tierische Protein für die energetische Ausstrahlung („Radiation“) notwendig sei. Sogar als eine Schülerin wegen eines Darmkrebs krank wurde und nach einem Jahr auch starb empfahl sie ihr mehr Fleisch, vor allem Lamm, zu essen. Gleichzeitig solle man auf rote Tomaten verzichten, weil die sauer seien. (Hinweis: Gemüse sind alle eher basisch und haben basische Wirkung, tierische Produkte, Nüsse, Getreide sind sauer und haben saure Wirkung). Mir ging es nie um die Punkte selbst, mehr darum, dass sie nicht zuliess, dass solche Dinge diskutiert und untersucht wurden zusammen. Und dass dies offensichtlich nicht die beworbene Weisheit war, sondern Volksmythen, Simplifizierungen und Fantasien. Ich hätte das gemeinsame Erforschen sehr genossen - for the Enlightenment of All. Stattdessen erwartete sie „ Be a follower, not a fan“. Aber was folge ich da?

5.1.3 Präferenzen des Gurus einfach befolgen

Mir gefällt es bis heute, mir einen 3-Tage-Bart wachsen zu lassen. Mir gefällt der Wechsel in der Erscheinung. Irgendwann wars vielleicht mal ein 5-Tage-Bart, was Maharaj scharf auf den Plan rief. Ab jetzt solle ich immer ganz rasiert sein, da Männer mit Bart etwas zu verstecken hätten und Swamis keinen Bart haben sollten. Auf meinen Hinweis, dass ihr zweiter Guru in Indien, ihr erster Guru Master Ram in den USA, Ramana Maharishi und Christus und viele weitere Erleuchtete Bärte hatten, reagierte sie nicht. Ihre älteste Studentin sagte mir, als ich sie nach Rat diesbezüglich fragte, dass dies halt einfach eine Präferenz des Gurus sei und mich einfach fügen solle. Um Theater zu vermeiden habe ich mich einigermassen gefügt, aber es erhöhte in mir diese kognitive Dissonanz und die Wahrnehmung, dass ich mich selbst verleugnen muss, um ihr folgen zu können. Und da ging es nicht um Bart oder nicht - Bärte gefallen mir ja auch überhaupt nicht. Auf meinen nochmaligen Hinweis, dass ja auch Master Ram im Alter einen Bart hat (sie hatte damals ein Foto von ihm wo er älter ist neben ihrem Satsang-Sessel), entgegnete sie, es habe dieses Foto nie gegeben. Weil sie damals sagte, dass dies Master Ram sei, habe ich es lange und intensiv angeschaut damals. Andere Schüler von Master Ram haben mir dieses Aussehen zudem bestätigt. Hmm.

5.1.4 Eine lange Liste voller Absurditäten

Da waren ja noch alle diese anderen Dinge wie, dass der Franken gegenüber dem Dollar an Wert verloren hätten, weil wir gegen den Kampfjet gestimmt hätten. Dass keiner der europäischen Studenten wusste, dass man sich die Hände mit warmem Wasser waschen muss nach der Toilette und Europäer oft keine Unterhosen anhaben würden. Ihre zweite Vermutung schockierte sie so, dass sie nach dem ersten Besuch in Europa nicht mehr zurück kommen wollte. In der Zeit danach hatte sie einen basketball-grossen Tumor im Bauch, eine sehr schlimme Zeit im Spital, die sie aber bewundernswert durchstand. Sie erklärte später (nachdem die Erklärung, dass ein Student sie angeschrieen habe und darum der Tumor wuchs, nicht mehr erwähnt wurde von ihr), dass dieser Tumor entstanden sei, weil sie nicht nach Europa zurückkehren wollte.

Alle diese Dinge, die Aufforderungen die Erzählungen über Noah, Moses, die Weihnachtsgeschichte wörtlich als vorgefallene Geschehnisse zu glauben und noch viele mehr, zusammen mit der Guideline „The Guru is always right“ und dass ihre Worte in 98% der Fälle direkt als Ausdruck von Gott und von uns nicht zu verstehender Weisheit zu sehen sind, vergrösserte in mir zunehmend eine kognitive Dissonanz. Was da vorging widersprach immer mehr meiner Bildung, meinem gesunden Menschenverstand, meinem Anspruch an Wahrheit und meiner Selbstbestimmung. Ich empfand es auch so, dass ich mich für den (vermeintlichen) Zugang zur erleuchtenden Energie verleugne und beschloss damit aufzuhören.

5.2. Der Umgang anderer Studenten mit den bizarren Dingen

„Ich arbeite daran“ - RS

(auf meine ehrliche Frage, ob er denn die wortgetreue Auslegung der Weihnachtsgeschichte wirklich genau so glauben könne. R.S. hat Theologie studiert und hat mich selbst auf die romantisch-ikonische Bibelauslegung Maharaj aufmerksam gemacht und mir von einer tiefgründigeren Interpretationen der 10 Gebote und anderem erzählt, als es Maharaj lehrt.)

M.S.: Schlug sich eine zeitlang selbst, wenn Maharaj sie gerügt hat. Zudem sehr starkes Bestreben alles mögliche als Beweis zu sehen, dass Gott darin direkt wirkt. (Dieses Verhalten zeigt Zweifel an. Zudem ist das hartnäckige Glauben-wollen ein typisches Element von Anhängern sektiererischer Dynamiken.)

„Our Maharaj“ - FS
FS verniedlicht Maharaj, wenn sie wiedermal Erstaunliches erzählt oder Sachen sich nicht erfüllen. Als müsste man es nicht jedesmal todernst nehmen.
„Part of the attraction of believing the leader's views and actions to be of paramount importance is that the follower's own sense of importance is heightened.“ - The Wrong Way Home: Uncovering the Patterns of Cult Behavior in American Society, Arthur J. Deikman, M.D., page 67.
„Wanting to believe is perhaps the most powerful dynamic initiating and sustaining cult-like behavior.“- The Wrong Way Home: Uncovering the Patterns of Cult Behavior in American Society, Arthur J. Deikman, M.D., page 137.

5.3. Rauswurf aus dem Ashram of Enlightenment: Vertrieben wie ein böser Geist

Wie man leicht verstehen kann, wurde mir das alles irgendwann zuviel. Es akkumulierte sich v.a. in der Zeit, in welcher ich im Ashram of Enlightenment lebte und somit auch kaum noch ausweichen konnte. Obwohl da die eindeutige erleuchtende Energie am Werk war, erfuhr ich immer mehr eine klare kognitive Dissonanz, wegen all den Dingen, die ich deswegen zu akzeptieren hätte. Dies fühlte sich nicht mehr stimmig an, ich empfand es irgendwie prostitutiv und immer mehr erzeugte mein Herz von tief innen den Mut, es drauf an kommen zu lassen und diese absurde Diskrepanz endgültig und offen auf den Tisch zu legen und anzusprechen und zu integrieren.

Um Weihnachten 2014 wurde mir die konstanten Satsangs um Bibelgeschichten, Weihnachtsfilme, und das Weihnachtstrara im Haus zu viel. Ich hatte das Bedürfnis mal zu recherchieren, wer den Christus wirklich war, was man Geschichtliches über ihn weiss und was nicht. Gespräche mit R.S., welcher Theologie studiert hatte waren sehr inspirierend. Er meinte auch, dass Maharaj’s Bibelverständnis romantisch-ikonisch sei und viel platter und weniger inspirierend als es in der Tat sein könnte, würde man sich etwa an bekannte Fakten bezüglich der Übersetzung der Bibel halten. Er erzählte mir vom Thomas-Evangelium, das ein paar inspirierte Zen-mässige Stellen hat, von einem tieferen Verständnis der 10 Gebote (z.B.: „In Gott gibt es kein Töten.“), was ich sehr inspirierend fand. Ich danke ihm noch heute für das Gespräch, aber er bereut es zutiefst (muss er aber nicht :)

Mir schien, dass grosse Teile des Christentums unsere westliche Mythologie ist, welche dazu diente Werte zu lehren und zu vermitteln. Zudem entdeckte ich den Einfluss der vorhergehenden Religionen ins Christentum hinein. Die Einflüsse aus mesopotamischen Religionen (drei Könige, Auferstehung, Messias), die Einflüsse der Licht- und Himmelsreligionen im Mittelmeerraum und die ganze Vermischung mit unseren lokalen Bräuchen, die zur Weihnachtsfeiern etc. geführt haben, meist an Sonnenwenden oder Taggleichen etc.

Mich entspannte das sehr und ich empfand dies als etwas weiteres Verständnis, bemühte mich aber nicht um wissenschaftliche Differenzierung des Ganzen. Mir war genug zu sehen, dass es ein grosses Gemisch aus Mythologie, Geschichte, mündlichen Überlieferungen und teils auch religiösem Marketing war, was die Schüler der Apostel als Gruppen festhielten und wie naiv die wörtliche Auslegung ist. Hauptsache für mich war, dass ich relativieren konnte, was im Ashram of Enlightenment so dramatisch als Referenz für mein Denken empfohlen wurde. Ich schrieb dies Maharaj alles etwas salopp nieder, was sie und andere Schüler regelrecht schockierte. Eine amerikanische Schülerin fragte entsetzt und in Panik, ob es denn wirklich wahr wäre, was der Heart Swami (mein Swami-Name) da über Christus schrieb. Guruji Saint Grace Love Maharaj meinte, dass jm. der das so sieht wie ich, nicht mehr in die Satsang-Halle gelassen werden sollte.

Nach diesem Mail hatte R.S. zudem die Aufgabe gefasst, mir zusagen, dass ich sofort Maharaj anrufen solle wegen diesem Mail. Ich hatte grad einen verstörenden Umweltfilm angesehen und war am Kochen und sehr schlecht geerdet, war mir dessen aber bewusst und wollte etwas Zeit für mich alleine. Da R.S. so eindringlich war, setze ich mich trotzdem hin mit ihm, und er bat mich ängstlich und eindringlich doch zurückzunehmen, was ich über die Gespräche mit ihm schrieb. Ich fragte ihn, ob er denn tatsächlich die Bibel wortwörtlich glauben könne, er meinte ausweichend und intellektualisierend, er arbeite dran. Dann sagte er eindringlich ich müsse sofort nun Maharaj anrufen. Ich meinte, auch weil ich mich nicht so wohl fühlte, dass ich erst mal in mich höre und dann mache, was für mich stimmig sei und hatte zudem auch kochende Katroffeln auf dem Herd. Er repetierte, dass ich sofort anrufen müsse, ich sagte, dasselbe nochmals und dass ich ganz sicher erstmal die kochende Pfanne wegstellen wolle. Er wiederholte es noch pushiger und ich wies ihn ab, und sagte irgendwas im Sinne von, dass ich mache, was ich als stimmig erachten würde. Er verliess dann die Küche.

Im Nachhinein beschrieb er sein Verhalten als „besorgt um mich“. Und ich fühlte mich sehr in die Ecke gedrängt und gezwängt. Ich stellte das ganze Geköche ab, ging ins Zimmer und rief nach einer Weile Guruji Saint Grace Love Maharaj an, die aber gar nicht verfügbar war an diesem Nachmittag.

R.S. hat das Vorkommnis erzählt und es hiess nun, ich sei schwerwiegend von Dämonen besessen und müssen den Ashram innert zwei Wochen verlassen und mir eine Wohnung suchen. Ich solle alle Dinge, die mir Guruji Saint Grace Love Maharaj jemals geschenkt habe vernichten, sei kein Swami mehr und die anderen Swami mussten alle Gegenstände, die mit mir zu tun hatten aus dem ganzen Ashram vor mein Zimmer stellen. Stereoanlage, Bilder, Boxen, Gartenschaufeln, Pflanzen, Geschirr, Musikinstrumente, da in den Gegenständen nun Dark Force und Wesenheiten drin seien. Dies war auch für anderen keine lustige Erfahrung. Meine Ex-Partnerin F.S. hatte Tränen in den Augen, auch fürs 4-jährige Kind eine befremdliche Erfahrung. Einige Dinge nahm ich ins Zimmer, andere lies ich noch für zwei Wochen draussen vor der Tür. M.S. platzierte sogar Pflanzentöpfe, welche ich im Garten schuf an die Aussengrenzen des Grundstücks. Ich warf nicht alles fort, was mir aufgetragen wurde, weil ich dann schlicht zu wenig Kleider gehabt hätte und fand aber das Ausmisten auch mal ganz gut, da Maharaj oft viele unnütze Geschenke macht, Kleider die nie gepasst haben, T-Shirts mit Frauenschnitt etc.

Man versuchte keinen Augenkontakt mir mir zu haben, hinter verschlossenen Türen wurde mein Prozess diskutiert. Ich versuchte locker zu bleiben und ging auf Wohnungssuche. Ich suchte also nach einer Bleibe in Winterthur, was aber kaum in zwei Wochen möglich ist. Eine Freundin bot mir ihr Notzimmer an, in welchem ich dann für maximal drei Monate bleiben konnte. M.S. und R.S. halfen meine Gegenstände in den Umzugswagen zu tragen, waren aber nicht mehr bewegt mir am neuen Ort zu helfen. Meine Schwester und ein Kollege konnten Gottseidank aushelfen. Guruji Saint Grace Love Maharaj sicherte mir zu, dass ich meine Dinge im Estrich noch dort deponiert halten könne, bis ich eine Wohnung gefunden hätte und dass sie meine Ikeastühle für die Wohnung aufbewahren werde.

Die ersten paar Wochen war ich unter Schock, eine liebe Craniosacral-Therapeutin bot mir aber gute Hilfe, damit umzugehen und war über nichts erstaunt. Sie hatte auch andere Swamis schon behandelt und verstand, was im Ashram of Enlightenment abging. Ich fand es gut, mal einen Ashram-Break zu haben und setze mir zum Ziel, zu klären was für mich aus der ganzen kognitiven Dissonanz zu folgen hat, so dass ich mir treu bliebe und ich entweder klar und ganz verpflichtet zurückkehren kann oder eben nicht.

Ich schrieb Maharaj meinen Prozess, sie gab ab und zu Tipps, ich verzichtete aber auf Sessions mit J.S., weil ich unbeeinflusst und in einem offenen Raum alle Dinge mal anschauen wollte. Ein von Maharaj empfohlenes Buch über co-abhängiges Verhalten in Firmen zeigte mir plötzlich die ganze Dynamik im Ashram und mein Verhalten darin auf, ich rieb mir sprichwörtlich die Augen. Auf eine Einladung nach etwa drei Wochen doch wieder zum gemeinsamen Essen in God’s House Monastery zu kommen, erwiderte ich, dass ich noch etwas Auszeit benötige, da mich die vielen Do’s and Don’ts im Ashram im Moment grad sehr triggern würden. Ich schrieb auch noch, dass sie für mich als Guru nicht perfekt sein müsse und ich es ok fände, was immer sie glaube und für real halte, ich aber vielen Dingen nun 9 Jahre nicht folgen konnte und auch nicht mehr folgen würde, da sie für mich keinen Sinn ergäben. Dass ich aber trotzdem gern von ihrer Energie und innerer Erfahrung lernte.

Mails von allen Swamis folgten. Meine Ex-Partnerin brachte die Idee auf, da ich ja keinen Fokus mehr auf Gott hätte, nun auch keine Basis mehr für Freundschaft bestände. Dem stimmten alle zu. (Ich seh das als bedingte Liebe an. Ich erfahre es so, dass sobald ich Mitgefühl habe (ausser in Extremfällen), jm zum Freund wird. Und: Maharaj zu folgen ist nicht gleichzusetzen mit Fokus auf Gott.)

Guruji Saint Grace Love Maharaj schrieb, Jesus habe ihr gesagt, sie solle mich loslassen. Über R.S. kamen dann noch weitere indirekte Botschaften, wie dass ich nun ganze alleine auf mich gestellt wäre und nie wieder, sie oder jm. aus dem Ashram kontaktieren solle. Jeder Swami wurde angehalten, mir ein Mail mit „Do not contact me anymore“ zu schreiben. M.S.: nutze die Gelegenheit mir zu sagen, dass sie zwar einiges an mir genossen habe, wie z.B. die Gartenarbeit, aber wegen mir auch viele schwierige Probleme hatte (sie übernahm leider noch nicht die Verantwortung für ihre Gefühle und nicht auflösbaren Probleme im Ashram). Nur L.S, schrieb eine abgemilderte Form, nicht der empfohlene Standart-Satz, wo ich etwas Herz drin spürte. Danke!

Ein paar Tage später kam dann ein Anruf von R.S., sie hätten alle von Gott gehört, dass ich nie wieder God’s House Monastery betreten dürfe und darum jm. anderen schicken müsse, nun die Sachen aus dem Estrich zu holen und dass sie die Sachen sonst ins Brockenhaus geben würden. Stühle, welche mir Maharaj für die Wohnung versprochen hatten (und die ich selbst gekauft hatte), hatte sie bereits fortgeworfen. Ich erwiderte, dass ich dies bizarr fände und sie die Sachen ja sonst aufs Trottoir stellen könnten, das neutraler öffentlicher Grund sei. R.S. erwiderte mechanisch und mit Druck dreimal die Aufforderung, ich erwiderte, dass ich dies nicht integer fände und keinem Freund oder Verwandten eine Lüge auftischen wolle, warum er dies für mich abholen müsse. Und dass halt dann die Sachen ins Brockenhaus geben müsse, was ihn wiederum etwas konsternierte, da er immer eine grosse Anhaftung an Gegenständen hatte. Er hat ein gutes Herz, aber sehr starke Co-Abhängigkeiten und tat, was er aus dieser Perspektive als richtig empfand. Nach dem Telefon wies ich ihn per SMS darauf hin, dass er nun schon zum zweiten Mal Druck aufsetze und pushte und er dieses ja an und für sich psychisch gewalttätige Verhalten doch mal überdenken solle. Zudem schrieb ich, dass ich zufrieden mit mir sei, wie ich dieses mal eine klare Grenze ziehen konnte. Ich bin es noch heute.

Sie gaben die Sachen weg, behielten aber mein Ramana-Bild und ein Tigerbild und meinen Massage-Bank, der noch im heute im Playroom ist. Die folgende Monate schrieb ich ab und zu meiner Ex-Partnerin, eine Geburtagskarte, ein Gedicht aus meinen freien und ein SMS nachdem ich intensiv von ihr geträumt hatte. Ihre Antwort war sehr harter, eingeschriebener Brief in Englisch(!) im Tonfall von Maharaj: „What do you not get about no?“… etc. etc. (eine rhetorische, indoktrinierende Frage, die Maharaj gerne anwendet, um einem den Kopf zu waschen) und sie wolle in keinster Weise jemals irgendwas in irgendeiner Form mit mir zu tun haben und ich solle sie in Ruhe lassen. Das hat für mich nicht nach ihr getönt und ich möchte gar nicht wissen, wie sie sich gefühlt haben muss deswegen.

Das hat mir natürlich wiederum das Herz (nur temporär) gebrochen. Ich vermisse sie immer noch sehr. Und ich nehme an, Maharaj ordnete dies wahrscheinlich so an, damit sie eine Stalking-Klage machen könnten, falls ich damit fortfahren würde, F.S. an mich zur erinnern und somit auch wie irreal ihre Verhaltensweise war. Die Swami haben auch ihre E-Mail-Adressen geändert, damit ich sie nicht mehr erreichen kann. Totale Isolation von Ehemaligen, sonst könnte ja noch auffallen, dass alles Projektionen sind.

Ich bin sicher, das Ganze kollabiert an einem gewissen Punkt. In einer solch co-abhängingen Dynamik können nicht alle Themen integriert werden, Erleuchtung kann nicht ganz integriert werden. Traurig ist, wieviel Zeit es braucht, bis jm. aus Maharaj Realitätsblase herauswächst und Mut wächst und wieviel Energie und Ressourcen verschwendet werden und welche Schwierigkeiten die Kinder in der Pubertät haben werden damit. Der Ashram of Enlightenment hat ja auch wegen seiner ganzen dramatischen und konstanten Selbstabsorption null gemeinnützigen Output, so wie andere Klöster. Es könnte anders sein: Erleuchtung könnte frei studiert und erfahren werden, Menschen und der Gesellschaft könnte viel wichtiges geholfen werden.

5.4 Das Jahr nach dem Ashram of Enlightenment - die Phasen raus

Ich musste die ersten zwei Monate erst aus dem Schock rauskommen, obwohl ja eigentlich die Energie auszusprechen, was für mich nicht stimmte, offensichtlich tief aus meinem Herzen kam und eine neue Art von Mut für mich war. Im kalten Winter fuhr ich mit dem Fahrrad jeden zweiten Abend zu einer neuen Wohnungsbesichtigung. Im Büro haben zwei Mitarbeiter aufgehört und ich musste für die ersten drei Monate eine grosse Ladung an Arbeit zusätzlich übernehmen. Steuernachforderungen aufgrund falscher Einzahlungen in den Jahren meiner beruflicher Selbständigkeit sprengten mein Budget für 1,5 Jahre. Als ich dann im März eine Wohnung fand, lieh mir glücklicherweise ein guter Freund 4000 CHF fürs Mietzingsdepot, sonst wäre ich praktisch auf der Strasse gelandet. Später kaufte er mir noch Wanderschuhe und Wanderhosen, dass ich auf eine Pilgerwanderung in Italien gehen konnte :) Gute Herzen, wie dankbar bin ich um sie. Und die Zeit hat mich erwachsener gemacht und mir gezeiht, wo meine Grenze liegt.

Neben dem, das mir oft Gedanken um die Vorkommnisse und Aussagen kreisten, wurde mir auch vieles klar. Vieles musste und muss immer noch aussortiert werden. Einsichten führten zu sehr starken Samadhi-Erfahrungen, vor allem Glücks-, Freude und Stärke-Samadhi. Überhaupt durchströmte mich gute, heilende Kraft im ganzen Herz und Schulterbereich, dies alles aushalten zu können und ich träumte manchmal von Engeln. Ich fühlte panische Existenz-Angst, dass ich nun nicht mehr erleuchten könnte und Maharaj mit ihren vielen dunklen Vorhersagen noch recht bekäme (ich weiss, das ist lächerlich). Ich verstand mehr und mehr, dass solche Ängste im Kern von co-abhängigen Beziehungen sind, konnte diese schichtweise lösen und immer mehr die sektiererische Dynamik erkennen, welche Maharajs verbliebene Persönlichkeit um sich herum aufgebaut hatte.

Kontrolle, Machtausübung, Erniedrigung, Love Bombing, dunkle Vorhersagen, Dark Force Projektionen …alles fand sich in Beschreibungen von sektiererischen Dynamiken und ich rieb mir sprichwörtlich während eines Jahres die Augen. Ein Gespräch mit einem Sektenberater zeigte mir, dass das Erlebte ein ganz klassischer Fall war und nichts aussergewöhnliches. Auch andere Gruppen / Lehrer sehen sich als Buddha of the Age, als Inkarnationen historischer Konstellationen und meist Erleuchteste etc. und haben spirituelle Erfahrungen gleichzeitig.

Wie konnte dies nur geschehen? Was habe ich nur angerichtet, in dem ich meine langjährigen Gefährten ins ganze hinein inspirierte? Wo blieb nur meine Unterscheidungsfähigkeit? Mein neues Ziel war, zu integrieren was mich überhaupt dafür anfällig gemacht hatte. Und natürlich studiere ich noch immer Erleuchtung und deren Integration und lebe meinen täglichen Fokus auf das Höchste noch immer. Ich führe weder ein „gewöhnliches“ Leben, widme meine Zeit etwas Grösserem und fühle mich geehrt, dass ich dies überhaupt kann und darf.

Es wurde viel Zeit freigesetzt. Nicht nur Geld, sondern auch die ganze Zeit die fürs wiederholte Anschauen von Filmen drauf ging, für die zwei Satsangs pro Woche, die Co-Dependency Workgroup am Samstag, die Brettspiele am Sonntag, die Sessions mit Judi, wohl insgesamt mehr als 20 Stunden pro Woche. Zudem habe ich keine inneren Konflikte mehr wegen Maharajs Instruktionen. Nur schon dies ist sehr befreiend.

Noch immer habe ich regelmässig Samadhi-Erfahrungen, viel stärker als früher und fast täglich und zudem tiefe Erfahrungen der non-dualen, wundervollen Natur von uns. Fast eineinhalb Jahre lang spürte ich Donnerstags regelmässig Maharaj's Transmissions. An einem gewissen Punkt habe ich dies beendet, mich absichtlich von ihrer Energie und geniesse meine eigenen Zugang. Ich entdeckte wieder die Freiheit zu reisen, die Welt nicht mehr in heiligen Ashram und ordinäre Aussenwelt unterteilen zu müssen, überall Gott zu entdecken. Ich erforsche verschiedenen Nahrungsmittel und wie sie auf mich wirken. Konnte meinen Körper sehr viel beweglicher, stärker und gesünder machen mit erstaunlichem Yoga. Und habe sehr viel kreative Energie und Balance und meine ursprüngliche Sorglosigkeit zurückgewonnen. Nicht nur fürs Singen, sondern auch für das Umweltprojekt, welches u.a. auch durch die neu zur Verfügung stehende Zeit und Kreativität um 50% gewachsen ist und berührend floriert und international wächst.

Bei Freunden, die mit Maharaj in Kontakt kamen und als Müll aussortiert wurden, habe ich um Verzeihung gebeten, an was ich Teil hatte. Sehr viele Freunde haben gefragt, was mir widerfahren ist, sehr vielen habe ich es erzählt. Niemand fand es auch nur annäherungsweise gesund. Von einigen kam das Feedback, dass ich nun wieder authentischer und herzlicher sei.

Von Verwandten der Swamis und weiteren Ehemaligen hörte ich zum Teil noch weitere krasse Geschichten, welchen sie ausgesetzt waren. Die Aussensicht auf den Ashram ist klar die einer sektiererischen Gruppe mit einer manipulativen Führerin, auch wenn die Verwandten dies ihren Kindern gegenüber aus Rücksicht und Konfliktvermeidung nicht erwähnen. Die Innenansicht ist, dass man eine wichtigen Beitrag für die Erleuchtung der Welt leistet, zur erleuchtesten Community der Welt gehört und viel Gutes und Wichtiges damit bewirkt, Kriege verhindern hilft und vieles andere. Und natürlich, dass andere ausserhalb in einer viel schlechteren Lage sind.

Ich sehe folgende Phasen, die ich durchlaufen habe und vielleicht auch andere durchlaufen müssen, um aus dieser Dynamik zurückzufinden
  • Wahrnehmen und Eingestehen der Dissonanzen
  • Mut und Entscheid diese Dissonanzen inkl. Co-Abhängigkeit ansprechen und umfassend zu klären
  • entweder galant verabschieden oder Maharaj konfrontieren (vielleicht integriert sie ja mal das eine oder andere, wenn sie es mehrmals hört)
  • Bei Rauswurf, Beschuldigung, Ausgrenzung etc. sicheren Platz finden (Dach über Kopf, Finanzen, viel Raum fürs Alleinesein und Meditation). Nicht allzu ernst nehmen. Keine Self-Fullfilling Prophecy kreieren.
  • Integration des Schocks und der Desorientierung (am Anfang fühlt man nix und braucht v.a. Erdung)
  • Loslösen aus dem Geisel-Phänomen: Maharaj nicht mehr für alle ihre Verhalten in Schutz nehmen und sich eingestehen, was sie tatsächlich macht. Gilt auch für die ehemaligen Gefährten.
  • Integration der Angst im Kern der Co-Abhängigkeit und rund um Erlösungsideen (die meisten von Maharajs Ideen wieder aus dem eigenen Kopf rausschmeissen)
  • Hilfreich: Studium sektiererischer Dynamiken und Indoktrinationssystemen (sind alle ähnlich) -> Ent-Indoktriniere Dich wieder. Frag mal die Verwandeten der Swamis , durch welches Leiden sie die letzten Jahre durchgingen.
  • Zulassen von Trauer, Vertrauensbruch und Verlust der Freunde, des Zuhauses und des vermeintlichen Sinnes (kann lange dauern, da vielschichtig)
  • Integration / Multidimensionalisieren was in Deinem Leben geschehen ist, um neues respektvolles Selbstverständnis aufzubauen. Grabe tiefer bezüglich Erleuchtung.
  • Aufbau einer neuen, gesünderen spirituellen Praxis und ev. eines neuen sozialen Netzes. Spiele, entdecke, experimentiere: Du bist frei und niemand bewertet Dich. Staune!
  • Freude zulassen, einen wichtigen Schritt gemacht zu haben! Tieferes Verständnis, mehr Fähigkeit, Freude, tiefere Verbindung zum Göttlichen und neue Selbstliebe und Angstfreiheit geniessen. Du hast einen grossen Schritt vorwärts gemacht.

Wie ich heute meinen damaligen Zustand wahrnehme

Ein paar nächtliche Notizen, Dezember 2016:

Man erlebt zwar, dass so vieles dass Maharaj erzählt, nicht stimmt, vereinfacht ist oder dramatisiert, nicht eintrifft, übertrieben ist oder eh nächste Woche durch die nächste Neuigkeit ersetzt wird. Man erlebt auch Erniedrigung und den durch sie verursachten Tumult. Aber so ist sie halt unsere Maharaj. Gurus kann man nicht verstehen, sie wollen uns einfach erleuchten.

Doch man erlaubt sich nicht, all den Quatsch, die Lächerlichkeiten, Bizarritäten in einem Gesamtbild oder aus verschiedenen Perspektiven anzusehen oder sogar eine klare Bezeichnung dafür zu versuchen zu finden. Vorher kommen Gedanken wie, dass es ja nicht sein kann, wohl schon eine Erklärung gibt oder einfach eine Anforderung ist, welche der Erleuchtungsprozess an einen stellt. Schliesslich hat man ja aussergewöhnliche Erfahrungen gemacht, man konnte sich zu etwas besserem entwickeln und andere auch oder vielleicht sogar noch mehr. Es gab Erfolge im alltäglichen Leben. Es muss mein Ding sein, bevor ichs auch nur mal experimentell laut aussprechen könnte. Es kann ja auch nicht einfach eine sektiererische Verhaltensweise sein, sie will mein Bestes, welchen egoistischen Grund könnte ein Buddha of the Age haben? Besser ich geh meditieren und es mit mir klären. Wenn es andere ansprechen, wollen sie einen doch nur in die eigenen Anhaftungen zurückziehen, aus ihrem eigenen Widerstand auf Gott heraus.

Und so bleibt die klare Sicht aufs Theaterstück in diesem Nebel am Aussenrand. Fokus auf Erleuchtung lässt mich gut fühlen und sogar andere zum Gleichen inspirieren. Ich liebe alle Wesen von hier aus, ich habe tiefes Mitgefühl für ihre Lage. Und schwupps hängt man vor jedem Fenster Spiegel gegen Wesenheiten und Dark Force auf, packt den Kühlschrank wegen Strahlung und Autounfallschockfolie, schützt sich mit Kissen und Kappen von den Energien anderer, isst keine Peperoni mehr, weil sie Gedanken erzeugen, keine Zwiebeln, Knoblauch und rote Tomaten, schaut 10 mal Hollywoods Filme zu Caesar, Queen Elisabeth, Merlin, Jean d,'Arc Noah und Moses, weil das Maharajs wichtigste Inkarnationen seien und fängt an die Weihnachtsgeschichte Wort für Wort an zu glauben, trotz universitärer Bildung. Und überhaupt, mir gefällt die Gemeinschaft, die Ruhe, die Bücher, die Meditation, es ist immer wieder schön. Und ich hab auch wenig Zeit und Abstand als dass mir dies gross auffallen würde.

Spannend und unerwartet. Glauben wollen heisst das Phänomen. Der Preis ist starke Verwirrung wenn Du Dich entscheidest den diffusen Rand mal anzuschauen und Dich wieder auszudehnen. Mut und Ausdehnung fühlen sich auch fantastisch an. Das nachfolgende Rumeiern der Realität natürlich nicht, da brauchst du dann deine spirituelle Praxis und Deinen Fokus aufs Reale, Formlose, das immer da ist und bleiben wird.

Dieses Experiment, in die verzerrte Realität einer anderen narzisstischen Persönlichkeit abzutauchen und sie versuchen anzunehmen ist nur was für heldenhafte Psychonauten und nicht ganz ungefährlich. Einige finden nicht mehr raus und haben sich in ihrem eigenen angesprochenen Narzissmus oder in ihrer Angst ein bedeutungsloses Leben zu führen oder die ausgedehnten Bewusstseinszustände zu verlieren eingesperrt.

6. Sichtweise auf Guruji Saint Grace Love Maharaj und die Dynamik im Ashram of Enlightenment zur Integrationshilfe

Ein Phänomen von verschiedenen Seiten her zu betrachten, hilft enorm, es loszulassen und sich davon zu lösen. Hier einige Sichtweise auf die Maharaj und die von ihrer Persönlichkeit erzeugte psychologische Dynamik. Ich hoffe, es hilft denen, die im Ausstiegsprozess sind.

6.1 Inselbegabung

Manche haben spezielle Begabungen, Genialitäten und Kräfte, welche manchmal auch als Siddhis bezeichnet werden. Eine nicht vollständig integrierte Persönlichkeit kommt dabei schnell in Versuchung, die Genialität dieses Aspekte auf sich als Gesamtheit zu übertragen. Bei Maharaj tritt diese Energie, die "Transmissions" oder des Shaktipat auf (ich vermute, weil sie sich selbst als heilig kreiert, entsteht diese Kraft). Diese Energie, zusammen mit dem Setzen eines neuen sozio-psychologischen Rahmen (spiritueller Name, neue Gemeinschaft, neues Aussehen und Widmung, neuer Lebenssinn-Kontext, Erwartung grosser Erleuchtung) bringt viele Schüler in Erfahrungen spiritueller Phänomene oder sogar Realisationen. Maharaj überträgt dies auf alles, was sie sagt, tut, denkt, sich vorstellt und stellt daraus diesen absoluten Wahrheitsanspruch auf und nutzt die Gabe unter anderem als Referenzpunkt für Lehre bzw. Indoktrinationen.

6.2 Guru-Dramatisierung

Die ganze „Maharaj-Show“, die konstant stattfindet, sieht für mich mit etwas Abstand so aus, als würde sich Maharaj ein bestimmtes Guru-sein vorstellen (Ideen, wie ein Guru zu charakterisieren wäre) und dieses dann konstant dramatisieren. Eine solche Dramatisierung war beim schlichten Ramana z.B. nie vorhanden. Ebenfalls scheint sie mir Expansion und Kontraktion, ihre Gedanken, Körperphänomene und die Prozesse der Schüler zu dramatisieren. Das Ganze macht dann den Anschein als gäbe es wesentlichen Fortschritt.

Man muss sich auch mal vorstellen, wie ein Guru sein könnte und einfach mal vergleichen. Hier ein paar Fantasien von mir:

6.3 Klassische Co-Abhängigkeit

Im Buch „Co-Dependency in the Workplace“ des Psychologen Seth Allcorn sind Varianten der Co-Abhängigkeit sehr erhellend beschrieben. Die Charakteristiken seiner Variante zwei, scheinen mir auf Maharaj’s Persönlichkeit sehr passend zuzutreffen.

Bezeichnenderweise lässt Maharaj alle Schüler mit dem 12 Steps-Buch für Co-Abhängige arbeiten. Diese Arbeit wird aber nur oberflächlich gemacht (Das Buch ist selbst etwas oberflächlich und unvollständig und wird dafür auch kritisiert), Maharaj selbst hat (wahrscheinlich) das Buch nie selbst durchgearbeitet und die Schüler integrieren ihre CoAbhängigkeit zu Maharaj auch nicht, oder sie verlassen den Ashram, wenn die Dynamik für sie sichtbar wird. Maharaj korrigiert die auftretende Unterwürfigkeit und Künstlichkeit der Studenten ihr gegenüber auch nicht.

Im Kern der Co-Abhängigkeit ist Seth Allcorns Aussage nach die Angst nicht zu existieren. Meine Erfahrung hat dies vollkommen bestätigt. Diese Angst kann sich auch als Einsamkeit zeigen, welche in meinen Augen auch Angst/Panik ist, sozial nicht mehr zu existieren. Als ich nach einer Erleuchtungserfahrung beschloss, diese Angst ein und für allemal zu integrieren, begann der schrittweise Prozess der Loslösung vom Ashram. Aufkommender Herzens-Mut zur Konfrontation der co-abhängigen Dynamik, hat dann Schritt im Aussen vollzogen und ich wurde zur „Dark Force“.

„Victimization and transference are readily experienced by organizations members when others and events are not under the control of the organization. [ ] An evil competitor or regulator may be to blame for failure. Organizations may willingly but unconsciously project many of their feelings of anger, suspicion and fear which are field by transference and many „bad“ organizational attributes unto the designated external source of the problem, thereby making them feel better about themselves and their organization and contributing to the creation of a malevolent, dark force that will consume the organization if not combated. This process leaves organizations members good self-feelings that, for example, they are kind and gentle people who work for a noble and perfect organization that is locked in a lifeand-death struggle with an evil, incompetent competitor. These feelings then serve as a rational for almost any type of behavior.“
- Codependency in the Workplace, Seth Allcorn, S.165

6.4 Mitgefühl mit der Sangha

Nicht zu letzt wünscht Maharaj wie alle Schüler des Ashram of Enlightenment das Höchste zu erleben und zu realisieren. Aus meiner Perspektive, steckt sie fest und hat sich gefährlich verrannt. Sie ist wie wir alle, ein Wesen auf seinem Weg zur inneren Freiheit und verdient Mitgefühl. Und wir sind eine grosse Sangha (Gemeinde) auf diesem Weg und haben dieselben Herausforderungen. Wir sollten solche Dinge ansprechen.

6.5 Klassisches Erlösungssystem

Die „Lehrinhalte“ drehen sich oft indirekt ums Thema Erlösung, hier auch mit Erleuchtung verwechselt, obwohl dies nicht wirklich schnell ersichtlich ist und sicher auf von den Swamis bestritten würde. Religionen sind die klassischen indoktrinierende Erlösungssysteme, echte spirituelle Praxis ist es eben genau nicht.

Erlösungssysteme etablieren Referenzpunkte, um zu bestimmen, was bezüglich Sichtweisen und Verhalten, wahr, richtig und falsch ist und bilden dann darauf Überzeugungssysteme. Referenzen wie Master Ram, Jesus Christus, energetische Erfahrungen, „Scripture“ (welche auch immer Maharaj damit meint; sagt sie nämlich nicht), Gruppenkonsens; Überzeugungen wie „Wenn man Maharaj verlässt, nimmt sie einem die Erleuchtung wieder weg und das Leben geht abwärts“, „Die Lehre im Ashram ist die erleuchteste weltweit“, „Maharaj ist der Buddha of the Age“ etc. Solche Überzeugungssysteme kreieren roboterhafte, unflexible Schüler, Selbstabsorption und Angst. Und sie verunmöglichen echten Erfolg.

6.6 Diskrepanz zwischen innerer Erfahrung und psychologischer Dynamik darum herum

Wie man in Berichten von Aussteigern aus Sekten und Kulten schnell finden kann, ist diese Diskrepanz die eigentlich Schwierigkeit, welche Anhänger mit niedrigem Selbstbewusstsein an sich selbst zweifeln lässt und nicht an der oftmals missbräuchlichen Dynamik. Man erlebt Spontanheilungen, Erfahrungen von Engeln, Weisen, hört Stimmen, integriert hartnäckige Muster, wie kann es da nicht stimmen, was heilige Büchlein, der Guru und all die anderen sagen? Erscheinungen von Christus und Engeln und Spontanheilungen sind weit verbreitet in Freikirchen, also nicht nur Phänomene im Ashram of Enlightenment. Erleuchtungserfahrungen, sprich tiefe Realisation bezüglich der eigentlichen Natur des Seins, zugegebenermassen seltener. Die erleuchtende Energie und die inneren Erfahrungen, die sie bringt sind das eine. Die psychologische Dynamik und Indoktrination, die jm. darum aufbaut, das andere. Man muss für erstes nicht ein zweites akzeptieren. Be free! Meine Erfahrung ist, dass ich vor, während und nach Guruji Saint Grace Love Maharaj wundervolle Erfahrungen und Durchbrüche gemacht habe. Es besteht hierbei keine Einweg-Kausalität, mehr ein Geflecht und Spiegelungen von Bedingungen.

6.7 Kein Feedback, keine Lernkultur, kein Erfolg

The Guru is always right - Maharaj wünscht ja keine wirklich relevante Korrektur ihrer nicht-integrierten Persönlichkeit, Wissensstandes und Handlungsweisen und kein Feedback. Zudem vergab sie während meiner Zeit dort kaum Kompetenzen an Swamis und liess keine Herausbildung eines selbständigen Teams zu (Gott habe ihr gesagt, dass sie als Erleuchteste alles entscheiden müsse. Sie ist auch Fan von Theokratie statt Demokratie). Dies führt in meiner Sicht dazu, dass sie eine illusionäre Realitätsblase um sich aufbauen konnte, die innerhalb des Ashrams nicht gestört wird. Kurzzeitige Besucher werden anstandshalber nicht die Konfrontation suchen und dies stören, sondern einfach schnellstens verschwinden. Ein Führer kann so jeglichen Realitätsbezug verlieren und abdriften. Man schaue auf die Laufbahn von Diktatoren. Zudem kann der Ashram of Enlightenment so keine fähigen Menschen anziehen, keinen gemeinnützigen Output generieren, keinen Erfolg und keine Zukunft haben. Aber andere werden die Vision eines Ortes, wo Erleuchtung unideologisch, frei und committed studiert werden kann in die Welt bringen oder haben es schon getan.

6.8 Narzistische Persönlichkeitststruktur

Eine Frage beschäftigte mich sehr die letzten zwei Jahre: Wie ist es möglich, dass eine Person so dominant und so absolut überzeugt, Dinge sagen und fordern kann, wie oben beschrieben. Warum fallen einer solchen Person solche Diskrepanzen nichts auf? Bin ich so falsch in meiner Wahrnehmung? Etwas das ich dazu entdeckte und sehr spannend fand: Von Experten wurde ein diagnostischer und statistischer Leitfaden für psychische Störungen (kurz DSM) erstellt. Eine Art Klassifikationssystem, welches es möglich machen soll, psychische Auffälligkeiten zu erkennen und einzuordnen. Das DSM-IV beschreibt u.a. einen Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung (NPS) als jemanden, der mindestens fünf der neun folgenden Merkmale erfüllt. Ich will hier keine Diagnose erstellen und nichts behaupten, da ich von der Sache nichts verstehe. Ich fand es einfach zur Integration hilfreich; reflektiere es selbst.

  1. hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt Leistungen und Talente, erwartet, ohne entsprechende Leistungen zu erbringen, als überlegen anerkannt zu werden)
  2. ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, grenzenloser Macht, Brillianz, Schönheit oder idealer Liebe
  3. glaubt von sich besonders und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen
  4. benötigt exzessive Bewunderung
  5. hat ein überhöhtes Anspruchsdenken, d.h., hat übertriebene Erwartungen in Bezug auf eine besonders günstige Behandlung oder ein automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen
  6. ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d.h., nutzt andere Menschen aus, um die eigenen Ziele zu erreichen
  7. zeigt einen Mangel an Empathie (Mitgefühl): ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
  8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn
  9. zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten
Dazu kann ich folgendes einordnen: Was mich auch ansprach, ist die Sicht, dass narzistisches Verhalten nur Anklang findet, wenn das "Opfer" sich ebenfalls in seiner Bedeutung gesteigert sieht; sprich der eigene Narzismus abgeholt wird. Ich sah mich definitiv als jm. besonderen und 'qualitativ anders' bei Maharaj.

6.9 Die tiefe Stimme Gottes und Entwicklungspsychologie

Immer mysteriös empfand ich Maharajs Berichte der tiefen Stimme Gottes, die regelmässig zu ihr spricht, bishin zu Hinweisen von Jesus Christus oder Stofftierchen. Ich selbst erlebte das Phänomen der tiefen Stimme zweimal in mir selbst, was ich ebenfalls wundersam fand. Auch andere Swamis berichteten davon. 2016 las ich dann eine interessante entwicklungspyschologische Erklärung dieser Phänomene: Das Hören von Stimmen, Erscheinungen von Gott als liebender Vater oder kosmischer Mutter etc. und direkte Erfahrungen der Einheit mit dem Absoluten werden da als verschiedene Entwicklungsstufen betrachtet. Ist Erleuchtung noch nicht ganz realisiert, wird Gewahrsein / Buddha-Natur / das Absolute / das Selbst als entfernt und phänomenal erfahren. Eine nächste Stufe ist das Erfahren des ominösen, alles übersteigenden Gegenüber Gottes. Je tiefer die Realisation, desto tiefer die Einheit unseres scheinbar individuellen Bewusstsein und formlosem All-Bewusstsein bzw. Gewahrsein - so wie es Ramana, Nisargadatta Maharaj, Patanjali, Buddha, Christus und viele andere wunderbar, menschlich und bescheiden verkörperten.

7. Nachwort

Eine kleine Warnung: solange man die dunklen Vorhersagen und schuldzuweisenden Aussagen eines vermeintlichen Gurus glaubt und sozial isoliert bleibt, kann eine selbsterfüllende Prophezeiung eintreten. Ein Ex-Schüler kann erwarten, dass sein Leben nun tatsächlich Bach ab geht, er verdammt ist und grosse Angst durch ihm nicht bewusste Glaubenssätze im Bereich Erlösung bekommen. Um Schüler, die psychisch nicht so stabil sind, mache ich mir deswegen auch Sorgen. Sie werden Hilfe und tolerante Liebe durch echte Freunde benötigen, den nicht ungefährlichen Übergang zu schaffen, der sicher zwischen 1 bis 3 Jahre benötigt. Sowohl spirituell als auch materiell. Ich hoffe, dieser Bericht kann etwas helfen dann.

Die Kinder werden wohl in ihrer Pubertät die Grenzen der co-abhängigen Dynamik herausfordern und sich im schlimmsten Fall zwischen selbstbestimmtem Leben und ihren Müttern entscheiden müssen, falls diese das Leben im Ashram immer noch attraktiv finden. Sie werden sich kaum noch an mich erinnern und so werde ich nicht helfen können, was mir sehr Leid tut. Ich hoffe, sie erlangen das Gewahrsein um solche Dynamiken, um ihren Weg zu finden. Vielleicht hilft Ihnen auch hier mein Bericht im Internet.

Ich hoffe auch, dass meine langjährigen Freunde nach dem Tod von Maharajs Körper, der ja ziemlich sicher in den nächsten 20 Jahren geschehen wird, sich nicht gegenseitig weiter in dieser Dynamik einsperren und aufwachen und ihre Muster integrieren können. Ich würde mich freuen, sie wieder zu sehen und gemeinsam über das Erlebte schmunzeln zu können. Ich bitte sie dann auch um Verzeihung. Aber: es war eine interessante Reise, ein Beitrag für die Erleuchtung von allem und wir haben etwas spannendes integriert, für uns und das kollektive Bewusstsein dieses Planeten.

Desweiteren wäre ich dankbar, wenn dieser Bericht nicht gerichtliche Anklagen auf mich nach sich zieht, sondern dass im Ashram of Enlightenment einfach die Integration der oben beschriebenen Muster angepackt wird. Sind diese integriert, kann man den Bericht ja dann wieder löschen - kein Problem!

Zu diesem Zeitpunkt sollte sich ja auch klar gezeigt haben, dass Maharajs positive Zukunftserwartungen nicht eintraten, der Ashram sich nicht entwickeln konnte und sie nicht als Buddha of Age gewirkt hat etc. Zudem wird die Aussenwahrnehmung des Ashrams ein konstanter Störfaktor im Selbstbild bzw. Realitätsblase sein, was sowohl zu einer Öffnung, als auch zu einem weiteren Einkapseln beitragen könnte. Ich hoffe das beste für alle. Mögen alle Wesen gesegnet sein.